
Die griechische Mythologie hat einiges zu bieten: Ob nun die zwölf Heldentaten des Herakles, der Kampf um Troja, die drauf folgende Odyssee, Iasons Suche nach dem Goldenen Vlies, Theseus Kampf gegen den Minotaurus, oder aber die Heldentaten des Perseus, Sohn von Zeus, der einst die schreckliche Medusa bezwang. Stoffe, die geradezu geschaffen sind für phantastisches, aufregendes und visuell beeindruckendes Heldenkino. Wolfgang Petersens 2004 abgedrehtes Sandalenepos „Troja“ hat – gerade im Director's Cut – angedeutet was diesbezüglich möglich ist, auch wenn Petersen die Rolle der Götter in seiner Variation des Mythos leider ganz und gar außen vorgelassen hat. Dies ist bei dem 1981 erschienenen Fantasystreifen „Kampf der Titanen“ noch ganz anders gewesen, da durften die Götter hoch oben vom Olymp fleißig mitmischen und ihre feinen Intrigen spinnen. Und da der damals von Desmond Davis abgedrehte Film bereits bei seinem Entstehungszeitpunkt technisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit war, im übrigen aber durchaus charmant geriet, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die aktuelle Remake-, Sequel- und Reboot-Industrie Hollywood einen neuen Versuch unternehmen würde, auch diesen fantastischen Spaß mit einer neuen Verfilmung zu huldigen. Und da zurzeit vor allem „Avatar“ und „Alice im Wunderland“ mit ihrer 3D-Technik die Kassenschlager schlechthin sind, hat man sich bei Warner nicht lumpen lassen und den nicht im Geringsten auf die dritte Dimension hin konzipierten Film nachträglich in 3D konvertieren lassen. Dass dieses anscheinend phänomenal in die Hose gegangen ist, kann in fast jeder Besprechung nachgelesen werden, auch wenn dies Warner anders sehen wird: An den Kinokassen startete „Kampf der Titanen“ mit phänomenalen Ergebnissen.
Eigentlich könnte das Leben von Perseus (Sam Worthington), einst von seinem Ziehvater, dem Fischer Spyros, aus dem Meer gezogen ganz beschaulich ein. Mit dem Kutter ein wenig nach links schippern, dann ein wenig nach rechts schippern und ab und an einen Fisch aus dem Wasser ziehen. Eines Tages jedoch wollen die ollen Biester nicht mehr beißen, was seinen Vater zu einer Hasstirade auf die Götter veranlasst. Nicht weit von Perseus und seiner Familie entfernt, thront unterdessen der selbstgerechte König Kepheus, Herrscher von Argos. Auch er ist des unsterblichen Packs hoch oben im Olymp überdrüssig geworden und veranlasst seine Soldaten die riesige Statue, die den Göttervater Zeus (Liam Neeson) ehrt, vom hohen Sockel ins Meer zu stürzen. Zeus findet das weniger lustig, und entsendet flugs seinen Bruder Hades (Ralph Fiennes), der nicht nur die götterfrevelnden Soldaten zu einer kleinen Bootstour über den Styx einlädt, sondern nebenbei auch gleich die Familie von Perseus, ein bedauerlicher Kollateralschaden der Strafaktion, ins Jenseits befördert. Das wiederum findet Perseus weniger lustig, und schwört Hades bittere Rache. Vorher muss jedoch die Stadt Argos vor dem Untergang durch den schrecklichen Kraken bewahrt werden, der in Bälde von Hades entfesselt werden wird. Der Beginn einer gefährlichen Reise, die Perseus und seine Getreuen, unter diesen befindet der mürrische Soldat Draco (Mads Mikkelsen), sowie die Halbgöttin Io (Arterton), die dem ob seiner göttlichen Herkunft hadernden Perseus mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Louis Leterrier, Regisseur der ersten beiden „Transporter“-Filme, wurde von Warner mit der Aufgabe betraut der Perseuslegende neues Leben einzuhauen. Und damit dies auch gelingt, stattete man ihn nicht nur mit einem Budget von 125 Millionen US-Dollar aus, sondern stellte ihm auch einen Cast zur Verfügung, der zumindest auf dem Papier nicht zu verachten ist. Wann hat man schließlich schon einmal die Chance Liam Neeson als Göttervater Zeus zu besetzen, Ralph Fiennes zum fiesen Hades zu machen, und eine ganze Reihe von respektablen Darstellern mit einem Leinwandsatz abzuspeisen? Aber gut, warum sollte man sich auch mit tiefschürfendem Gelaber aufhalten, wenn es sowieso nur darum geht geile Action auf Zelluloid zu bannen? Diese Frage haben sich auch ganz offensichtlich auch Neeson und Fiennes gestellt, die – und das gilt vor allem für Fiennnes – mit langer Mähne und Zottelbart trashiges Schmierentheater aller ersten Güter abliefern. Immerhin, zumindest der in „Kampf der Titanen“ ein ums andere mal zelebrierte starke Auftritt von Hades aus Feuer, Rausch und Asche ist einigermaßen stimmungsvoll geraten, zumindest bis der Gott der Unterwelt den Mund aufmacht: Das krächzende Röcheln des dunklen Fürsten ist dann wiederum nicht mehr ganz so stimmungsvoll; wahrscheinlich hat der Arme zu viel Schwefel geschluckt; der Hades ist ja schließlich auch kein Urlaubsparadies. Während Sam Worthington seinen Perseus nichtssagend und leidenschaftslos durch den Film führt, ist es einzig Mads Mikkelsen, der ein wenig Charisma verbreiten kann.
Dies alles wäre allerdings nicht weiter schlimm, gelänge es „Kampf der Titanen“ den Zuschauer zu fesseln. Dass Leterrier hier scheitert, liegt nicht zuletzt auch in der unmotivierten Aneinanderreihung von Actionszenen begründet, die für die Handlung nicht relevant sind, auch nicht relevant sein wollen, sondern mehr oder wenig auch für sich alleine stehen könnten. Riesenskorpione, grausame Hexen, die Medusa, sowie am Ende der Kraken – für all diese fiesen Ungeheuer gilt: Sieht ganz nett aus (mal mehr und mal weniger), ist ab und an spannend (mal mehr und mal weniger), und dann ist es auch schon wieder vorbei. Nebenbei darf Perseus noch ein wenig ob seiner göttlichen Herkunft schmollen, die wohlmeinenden Geschenke von Zeus ablehnen, und am Ende auf dem geflügelten Pegasus mit der Frau seiner Träume in den Sonnenuntergang reiten, äh fliegen. Wie aufregend. Im Grunde macht „Kampf der Titanen“ also meistens falsch, was man falsch machen kann. Das vorhandene Potential der Geschichte wird nicht ausgeschöpft, die Effekte sind bei weitem nicht immer State of the Art, noch dazu holt man zu wenig aus den vorhandenen Darstellern raus. Letztlich, und das ist die Quintessenz der Chose, ist der Trailer zu „Kampf der Titanen“ der bessere Film geworden, versprach dieser doch immerhin krachende Sandalen-Rock’n’roll-Action vom Feinsten. Der Film jedoch ist nicht mehr als ein provinzielles Musikantenstadl in Toga und Sandalen. Warum dann also nicht gleich Florian Silbereisen als Hermes den Götterboten besetzen? - Fazit: 4 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Abbildungen aus "Kampf der Titanen". © 2010 Warner






7 Kommentare:
Ich habe den Film ganz klein auf meiner imaginären Kinoliste stehen. Aber wenn nicht mal die Action auf sehr hohem Niveau präsentiert wird und die Technik (3D lasse ich mal ganz außen vor, juckt mich bei dem Film eh recht wenig) nicht wirklich überzeugt, braucht man die große Leinwand wohl nicht aufzusuchen. Dann lieber einen laaaaangen "Troja" Abend.
Haha...
Ich habe ja letzens das Original gesehen und musste mich da schon die ganze Zeit fragen, wie wohl das Remake werden würde.
Und das der Trailer der bessere Film ist, passiert ja in letzter Zeit mehreren Filmen. Eigentlich echt schade.
Aber die Leute rennen ja rein wie verrückt. Ich ja auch, obwohl es vorher zu erwarten war. :) Was ich mich nur frage: Jede Besprechung macht keinen Hehl draus, dass das 3D in dem Film ein Witz ist, und trotzdem strömen die Besucher...
Tja, echt komisch. Wie Hühner. Vielleicht sehen die ja was, was wir nicht sehen :)
Obwohl das bestimmt meistens doch eher diese halbstarken "Actionliebhaber" sind - halt die "Transformer" und "G.I. Joe"-Gucker....
ich hoffe, ich trete jetzt hier keinem zu nahe. (Entschuldigung schon mal im voraus)
Ach, ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich gegen "Transformers" so aus unterhaltungstechnischer Sicht auch nichts habe. ;-)Und es ist ja nicht so, dass man sich bei dem Titanen-Clash langweilen würde. Nur gebe ich dann eben keine 13 Euro für nicht vorhandene 3D-Effekte aus, sondern bezahle lieber 5.50 für die 2D-Fassung.
Ich hab auch nur 2D gesehen und habe mich am Ende gefragt,was, von einer (mit Sicherheit nachträglich eingefügten) Szene mal abgesehen, bei dem Film in 3D wirken soll.
Im Übrigen 100% Zustimmung mit deiner Review.
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