„The Russ have A-Bomb!“
Regisseur Zack Synder hat in „Watchmen“ eine ganze Menge verkehrt gemacht. Daran gibt es keinen Zweifel. De facto bin ich mir mittlerweile ziemlich sicher, dass alles, was ich an diesem Film so großartig finde, der famosen Vorlage von Moore und Gibbons geschuldet ist. Die Darsteller machen ihren Job auch ganz prächtig; ansonsten aber hat Synder ziemlich eindrucksvoll bewiesen, dass er den Comic entweder tatsächlich nicht verstanden hat, also zu dusslig war die zahlreichen Anspielungen zu verstehen, oder aber schlicht und ergreifend nicht die Traute hatte den bitteren Weg der Vorlage bis zum konsequenten Ende zu gehen. In einer Szene, zu der man wie immer über das Bild gelangt, muss er jedoch einen hellen Moment gehabt haben. Vielleicht ist ihm ein Apfel oder ähnliches auf den Kopf gefallen, denn das Intro ist nicht nur gelungen, sondern gehört mit zu dem Besten was Hollywood in den letzten Jahren hervorgebracht hat. In diesen wenigen Minuten gelingt es Synder das ganze Ausmaß von „Watchmen“ luzide und den Zuschauer völlig vereinnahmend auf Zelluloid zu bannen. Unterlegt von Bob Dylans „The Times They Are a-Changin’“ wird in nur kurzer Zeit der Bogen über die Watchmen bis hin zu der Niederschlagung der Friedensbewegung, Amerikas Sieg in Vietnam und Tricky Dicks dritter Amtszeit geschlagen. Es ist die einzige von den nicht in der Vorlage zu findenden Szenen, die in ihrer Eigenständigkeit zu funktionieren und zu überzeugen vermag. Zu der Größe dieser Szene findet der Film in der Folge dann zu keinem Zeitpunkt mehr.
Quellennachweis: Abbildungen aus "Watchmen". © Paramount Pictures International/Warner Bros.







16 Kommentare:
Großartiger Vorspann - jedes Mal Gänsehaut Feeling ;)
Was lernen wir daraus? Snyder sollte nur noch Kurzfilme drehen!
Das einzig Gelungene an diesem missratenen Film.
Wirklich ein geniales Intro!
Richtig. Nach dem Intro geht es nur noch bergab.
Das riecht ja nach einer ziemlichen Konsens-Nummer... ;-)
Habe WATCHMEN bisher immer noch nicht gesehen, da ich weiterhin erst die Graphic Novel lesen möchte (die hier seit Ewigkeiten ungelesen liegt), aber das Intro macht mir trotz deiner recht kritischen Worte bezüglich des Restfilms doch große Lust darauf, die Sichtung bald nachzuholen.
Das klingt irgendwie nach einem weiteren Grund erst den Film zu sehen und dann die Vorlage zu lesen. Denn: Ich war dem Film gegenüber sehr aufgeschlossen (und bin es irgendwie immer noch) bis ich die Graphic Novel gelesen habe.
Das Intro ist wirklich das Beste am Film. Aber meines Wissens hatte Snyder darauf auch keinen direkten Einfluss, da die Sequenz bei den Spezialisten von yU+Co entstand.
http://www.yuco.com/
Das mag mich jetzt als Idioten bloßstellen, aber ich *Schock, Horror* mag die Filmversion des Endes lieber als die der Graphic Novel. Die fand ich schon vor dem Film mehr als Misslungen.
Die fand ich schon vor dem Film mehr als Misslungen.
Da würden mich jetzt aber mal die Gründe wirklich interessieren. Fühle dich also gerne aufgefordert, da einmal näher ins Detail zu gehen. ;-)
Auch nach dem Lesen der unglaublich genialen Graphic Novel halte ich den Film immer noch für den besten des letzten Jahres. Abgesehen davon schließe ich mich mal der breiten Masse an: Der Vorspann ist der mit Abstand genialste Teil des Films und eine der besten Szenen, die ich je gesehen habe, daran kan es gar keinen Zweifel geben.
Hmm.. es geht in der Geschichte um Macht. Eine Person hat mehr Macht als eine andere (Beispiel "normaler" Mensch einem der Watchmen gegenüber gestellt), es stellt sich die Frage wie reagieren die beiden Personen, die Gesellschaft darauf.
Spezifisch geht es um Dr. Manhattan. Er ist Gott, oder wenigstens so nahe ein Wesen auf der Erde an Gott herankommen kann. Wie geht Veidt damit um? Er will ihn überlisten, für seine eigenen Pläne nutzen. Er will mächtiger werden oder wenigstens Manhattans Macht für sich selbst nutzen.
Manhattan sticht in der ganzen Geschichte als der eine Punkt heraus, der nicht zum Rest passt. Er hat übermenschliche Kräfte, ist kein Mensch mehr. Er muss nicht atmen, hat keinen Körper oder körperliche Bedürfnisse.
Diese beiden Faktoren, Veidt's Anmaßung, "Gott" (in einem nicht-religiösen Kontext, rein auf die Macht bezogen) für seine Zwecke zu nutzen, und Manhattans Gottartigkeit bzw. Andersartigkeit führen zusammen zum Plan von Veidt.
In der Textvorlage kommt nun aber plötzlich am Ende ein weiterer Faktor hinzu.. Veidt war es möglich mit Manhattans unwissender Hilfe selbst etwas, in diesem Kontext, Gottartiges zu erschaffen, diese Kreatur.. Psychisches Ding.. weiss nicht mehr exakt. Das stört für meinen Geschmack die Balance zwischen den beiden extrem und verleiht dem Ende einen seltsamen Beigeschmack.
Manhattan direkt als Sündenbock und Angreifer darzustellen macht, finde ich, mehr Sinn (er wurde von der Erde "vertrieben"). Er hat die Macht, er war ein in dem Kontext des Watchman-Universums etablierter Faktor der herausstach und die Menschen haben ihn schon immer gefürchtet.
Was ich damit sagen will.. ich finde es völlig unnötig am Ende eine ungewisse Alien-Psycho-Schleim-Tentakelkreatur einzuführen, selbst wenn von Veidt erschaffen. Es gibt etwas derartiges schon, und das heisst Manhattan.
Hoffe das war jetzt nicht zu wirr..
Christoph H.
Nö, das war schon verständlich, aber - sry - für mich wenig überzeugend. ;-)
Es macht für mich durchaus Sinn, dass Veidt seinen Plan als Angriff von Außerhalb getarnt hat. Gegen die externe Bedrohung schließt sich die Menschheit in der Folge zusammen, warum dies aber auch in der Synder-Fassung so ist, bleibt fraglich, schließlich ist Dr. Manhatten erklärter Amerikaner, zumindest wird er von der Welt so gesehen. Im Übrigen verlässt Dr. M. auch im Comic die Erde, nur mal nebenbei. Aber das ist zumindest für mich gar nicht mal so der Punkt, sondern:(Selbstzitat): Wie „Watchmen“ das zutiefst perverse Finale der Vorlage (Genozid!) in seiner Inszenierung missachtet, ist in der Tat schwerer Tobak. Wo die Vorlage in all ihrer visuellen Drastik, die die aus der Dystopie hervorgehende Utopie von Beginn an als mindestens ebenso schlimme Dystopie entlarvt, regiert bei Synder im direkten Vergleich quasi eitel Sonnenschein. Seine Inszenierung ist nämlich in all seiner von Dreck und Härte befreiten, beinahe erhaben wirkenden Optik, die sich dann nicht zuletzt erblödet in strahlenden Sonnenschein aufzugehen, von allen Reizpunkten befreit. Wo sind die in der Vorlage stilisierten Bilder hin, die sich voller Blut, Gewalt und doppeldeutiger Chiffren ausgezeichnet als mahnendes Fanal dieser Geschichte angeboten hätten? Das ist umso perfider, als Zack Synder in den dem Ende vorangestellten Filmminuten ja keinesfalls einen gewaltbefreiten Film abgeliefert hat. Im Gegenteil: In all seiner zum teil ästhetisierten Gewalt, ist die letztendliche Verfilmung noch um Einiges drastischer, als die Vorlage. Umso unverständlicher muss also das von Synder inszenierte Finale angesehen werden.
Ging mir ja auch nie darum, irgend jemanden zu überzeugen ;)
Die spezifischen Bilder im Film habe ich nicht mehr vor Augen, da magst du durchaus Recht haben.
Spezifisch auf Manhattan bezogen bleibe ich dabei das die Version im Film logischer ist als der Schwachsinn im Comic. Manhattan Erde verlassen weil vertrieben-> rächt sich ist für mich ein viel logischerer Plan als "Manhattan hat die Erde verlassen, oh dann baue ich mir mal fix ein Tentakelmonster, davor haben alle immer Angst!".
Ganz abgesehen davon das Wissenschaftler die Überreste von dem Vieh später untersuchen werden.
Anmerkung um mögliche Missverständnisse zu verhindern: Mir geht es dabei rein um den Plot an sich, nicht darum wie es in Comic oder Film graphisch dargestellt wird.
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