TV-Empfehlungen für die Woche vom 21.06.10 - 27.06.10

proudly presented by Tan, Flo & C.H.


Tans Empfehlungen der Woche


Mittwoch, 23.06.10


Der Gefallen, die Uhr und der sehr große Fisch“ (Tele 5, 20.15 Uhr)

Ja, diesen Titel könnte man durchaus als sehr ungewöhnlich betrachten. Und ungewöhnlich bringt einen meist dazu über den Rand zu sehen. Was man erblickt, ist eine Satire mit gemindertem Anspruch, aber mit französisch-britischen Humor, der erfahrungsgemäß sehr unterhaltend sein kann. Ein Klavierspieler der sich für den Messias hält und einen Löffel voll Blasphemie ergeben eine gute Mischung für einen erheiterten Mittwochabend.


Donnerstag, 24.06.10


Little Children“ (ARD, 22.45 Uhr)

Nach einigen Kurzfilminszenierungen debütierte der Schauspieler Todd Field erfolgreich mit dem Drama „In the Bedroom“ als Regisseur. Erst 5 Jahre später wagte er sich an seinen zweiten richtigen Film. „Little Children“ erzählt die Geschichten mehrer verzweifelter Figuren. Verzweifelt jeder auf seine Weise, von der unglücklichen Mutter und Ehefrau, gefangen im Alltag, über den faulenzenden Familienvater, bis hin zum pädophilen Nachbarschaftsschreck. Das Gesellschaftsdrama ist durchgehend schwer und überschattet von Bitterkeit. Nichts zum Entspannen und nichts für zwischendurch. Man muss dem Film schon seine ganze Aufmerksamkeit schenken, um nicht ganz dem aufbauenden Gefühl der Traurigkeit zu verfallen. Unterstrichen wird die Geschichte durch die guten Darstellungen von Kate Winslet und Patrick Wilson.


Samstag, 26.06.10


Eine Frau sieht rot“ (Rbb, 01.15 Uhr)

Nach einer Vergewaltigung wendet sich das Model Chris an die Polizei und mit Hilfe einer Anwältin kann sie den Täter vor Gericht bringen, allerdings erfolglos. Die Aussage des Täters wird als glaubwürdig wahrgenommen und er wird freigesprochen. Nach mehreren Zwischenfällen sucht Chris einen Ausweg auf ihre Weise. Viel darf man von der unharmonischen und gewalttätigen Geschichte nicht erzählen, denn das Drama versucht seine Handlung nicht zu verstecken, sondern entblößt jede Unruhe und Aggression ohne Bedenken. Mit einigen spannenden Elementen versucht sich der Film auch in Richtung Thriller. Die beiden Hauptdarstellerinnen Margaux und Mariel Hemingway sind die Enkelinnen des amerikanischen Schriftstellers Ernst Hemingway. Als kämpfende Anwältin zeigt sich Anne Bancroft von ihrer harten Seite. Kein Film für schwache Gemüter.


Sonntag, 27.06.10


Hinter dem Horizont“ (RTL 2, 20.15 Uhr)

Oh ja, der Film hat seine Fehler; und nicht gerade wenig. Die Geschichte über einen Vater der seiner Familie in den Tod und somit an einen benannten besseren Ort folgt, gleicht einer Achterbahn. Von gefühlvoll bis zu hinzu kitschig, von ergreifend bis seeenlos. Ein unendliches auf und ab. Beständig und ohne Frage berührend ist die visuelle Ansicht des Dramas mit Robin Williams. Die Bilder vieler farbenprächtiger Landschaften und anderen Spielereien machen den Film dann doch sehenswert und die Effekte wurden mit einem Oscar belohnt. Schwächen hin oder her, einmaliges Anschauen tut nicht weh.


Ein perfekter Ehemann“ (Pro 7, 04.40 Uhr)

Was weiß ich? So gut wie nichts; das spielt aber auch in diesem Fall keine große Rolle. Ein Bühnenstück von keinem geringeren als Oscar Wilde aus dem Jahre 1895, verfilmt 104 Jahre später mit Cate Blanchett und Julianne Moore. An diese kreative wundervolle Kombination kann man sich auch unwissend wagen und auf eine gelungene Komödie hoffen.


Tans Warnung der Woche


Donnerstag, 24.06.10


Step Up“ (Pro 7, 11.05 Uhr)

Dieses hip-hop-artige Rumgetanze und Rumgehopse auf dem Bildschirm ist meist geschichtslos und übertrieben bis hin zum Mond und zurück. Grundsätzlich wird eine Welt veranschaulicht, in der gesellschaftliche Barrieren weggetanzt werden können. Außenseiter werden zu Helden, alltägliche Probleme werden auf unergründlicheweise aus dem Weg geräumt. Der etwas andere amerikanische Traum wird alle paar Jahre neu aufgesetzt, mit der gleichen gesichtlosen Handlung und den gleichen ausdruckslosen Schauspielern, nun gut, die Musik passt sich wenigstens der Zeit an. Wer inszeniert solche Filme heutzutage freiwillig? Und wer will das heute noch sehen?



Flos Empfehlungen der Woche


Montag, 21.06.10:


Mein Freund aus Faro“ (ARD, 22.45 Uhr)

Vielleicht nicht einer der besten Filme der Woche, aber sicherlich eine löbliche Erwähnung wert, weil „Mein Freund aus Faro“ einer der wenigen deutschen Filme ist, die ich nicht nur im Kino gesehen habe, sondern die sich vom restlichen Scheißdreck der Herren Edel, Eichinger und Co. exzellent absetzt. In der Tat weiß Auteurin Nana Neul durchaus gelungen die gegenwärtige Jugend in ihrem Portrait in eine zeitlose Geschichte zu verpacken und dennoch ungemein authentisch zu wirken. Vorab sei jedoch gesagt, dass obschon die Geschichte laut Regisseurin auf einer wahren Geschichte basiert, sie nicht sonderlich innovativ ist. Dabei muss sie dies nicht zwingend sein, wirkt allerdings letztlich doch nur wie ein deutscher Abklatsch von Kimberly Peirces „Boys Don’t Cry“. Nichtsdestotrotz ist es für einen deutschen Film eine beachtliche Leistung - wenn auch mit inhaltlichen und sozialkritischen Mängeln - und innerhalb des nationalen Wettbewerbs somit ein kleines „Juwel“.


Mittwoch, 23.06.10:


Ich glaub, ich steh im Wald“ (RTL 2, 02.55 Uhr)

Ich sagte es ja, RTL 2 ist zum Abschlabbern für seine High-School-Komödien, auch wenn Amy Heckerlings übergeiler Debütfilm „Fast Times at Ridgemont High“ (wer auf den deutschen Titel kam, weiß ich nicht, wurde vermutlich seiner Zeit im Yps-Heft als Gewinnspiel ausgelobt) aus der Feder des talentierten Cameron Crowe zu bescheuerter Zeit läuft. Wer nicht schlafen kann oder immer schon mal eine der besten High-School-Komödien aller Zeiten sehen wollte (vollgestopft mit jungen Hollywood-Stars von Sean Penn über Forest Whitaker hin zu Jennifer Jason Leigh - nackt!- und anderen) der ist hier an der richtigsten aller richtigen Adressen angelangt. Allein der masturbierende Judge Reinhold, die nackte Phoebe Cates und die daruntergelegten The Cars sind eine Sichtung wert und wer mit Penns Spicoli eine von Hollywoods unsterblichen Kultfiguren kennen lernen möchte, darf sich den Film ohnehin nicht entgehen lassen. Abgesehen von der Uhrzeit fällt mir kein Grund ein, warum nicht jeder von euch den Film ansehen sollte. Und da es Aufzeichnungsgeräte gibt, negiere ich jedes unentschuldigte Missen von „Fast Times at Ridgemont High“. Für die deutsche Synchronisation übernehme ich allerdings keine Gewähr.


Donnerstag, 24.06.10:


Fessle mich“ (ARD, 00.30 Uhr)

Die Almodóvar-Reihe geht weiter - sogar chronologisch diese Nacht - und mit „¡Átame!“ trifft man auf einen der wenigen Filme mit pointiertem Untertitel („A love story…with strings attached!“). Das Ende einer Ära, wie es Hauptdarsteller Antonio Banderas selbst nannte, markierte dies doch den letzten Film der beiden Spanier … bis zu diesem Sommer (sie drehen demnächst „La piel que habito“). Almodóvars achter Spielfilm, den dieser selbst als romantisches Märchen ansieht, führte in den USA ob seiner Handlung (liebestoller Jüngling hält Objekt der Begierde als Geisel, bis diese sich in ihn verliebt) zu einer neuen Altersfreigabe, dem „NC-17“. Die Handlung selbst ist nur bedingt ernst zu nehmen, wirkt im dritten Akt etwas sehr konstruiert, macht aber grundsätzlich Spaß. Die Sex-Szene ist vermutlich der Klassiker in „¡Átame!“ und in der Tat sehr gut und authentisch inszeniert worden. Banderas' internationaler Durchbruch, der ihm seinen Weg nach Hollywood ebnen sollte. Der Bessere der beiden Filme, die wieder mal zu unsittlicher Zeit laufen.


High Heels - Die Waffen einer Frau“ (ARD, 02:10 Uhr)

Auch „Tacones lejanos“ verfügt über eine Szene mit Kultpotential, namentlich die Nachrichtensendung mit etwas anderem Ausgang. Ursprünglich sollte der Film von der Mutter zweier Töchter handeln, die bei einem Hausbrand vermeintlich ums Leben kommt. Fans des Auteurs wissen, dass dieses Handlungsgerüst später in „Volver“ eingewebt werden würde. Für manche Biographen ist „Tacones lejanos“ Almodóvars melodramatischster Film, der neben Ingmar Bergman auch Douglas Sirk Referenz erweist. Als Melodram funktioniert der Film allerdings nicht ganz so gut, wie als ein etwas unernster Thriller. Victoria Abril, die zuvor bereits in „¡Átame!“ die Hauptrolle übernommen hat, gelingt eine schöne Wandlung. Es ist ihr Film, woran auch Almodóvars Muse Marisa Paredes wenig ändert. Probleme bereitet „Tacones lejanos“ sein zweiter Akt mit der Gefängnisszene, die nicht wirklich überzeugen will und der familiären Gegenüberstellung, die zu langatmig ausfällt. Dafür hat der Film eine der schönsten Schlusseinstellungen in der Vita des Mannes aus La Mancha.


Event Horizon“ (Kabel 1, 20.15 Uhr)

Mit seinen großen Vorbildern von Kubrick und Scott (der gesamte Film ist gespickt mit Referenzen, angefangen mit der bildlichen Überleitung vom Paramount Logo in die eigentliche Handlung, dies setzt sich im Laufe des Filmes fort, wenn Querverweise zu „2001“, „The Shining“, „Alien“ oder „Vertigo“ eingebaut werden) kann sich Anderson mit „Event Horizon“ zwar nicht messen, aber ein Meisterwerk wollte sein Film sicherlich auch nie sein. Den Kultstatus, welchen der Film nach seiner DVD-Veröffentlichung erfuhr, wurde er da schon eher gerecht. Man mag es dem Film verzeihen, wenn er hin und wieder etwas aus der Bahn gerät. Die Atmosphäre stimmt dennoch. Zwar wirken die Effekte teilweise etwas künstlich, dennoch ordnen sie sich der Handlung unter. Von dem Schauspielerensemble stechen wenig überraschend speziell Fishburne und Neill hervor, die Beide sehr engagiert bei der Sache sind. Insgesamt ist „Event Horizon“ ein liebenswerter Horrorfilm, den man in sein Herz schließt, auch wenn er seine Fehler hat.


Flos Warnung der Woche


Samstag, 26.06.10:


Run, Fatboy, Run“ (ProSieben, 20.15 Uhr)

Nein, es handelt sich hierbei nicht um die Uli-Edel-Adaption der sportlichen Aktivitäten des hoch geschätzten Kollegen Moviescape, sondern um eine weitere seichte Komödie rund um den Briten Simon Pegg. Dass dieser jedoch nur lustig ist, wenn er unter der Regie von Edgar Wright hantiert, macht diese 0815-Komödie voller typischer hollywood'scher Zoten aus der Feder der nervigen „Friends“-Tröte David „Ross“ Schwimmer unwahrscheinlich misslungen. Typ will Frau, haut vorm Altar ab, sieht sie aber wieder, da gemeinsames Kind, und kriegt erneut Torschlusspanik (in umgekehrter Form), als das Ekel Hank Azaria (der einzige Silberstreif am Horizont) um deren Hand anhält. Da empfiehlt sich eher noch „How to Lose Friends and Alienate People“.



Christians Empfehlungen der Woche


Tja, und ich? Ich besitze diese Woche die Frechheit Tan und Flo für mich schuften zu lassen, mich selbst aber wegen akuten Zeitmangels entschuldigen zu müssen. Ich weiß: Schande über mein Haupt! Wenn ich diese Woche Filme empfohlen hätte, dann wäre auf jeden Fall „Little Children“ das Highlight der Woche. Kate Winslet ist eine Göttin vor deren Schauspielkunst man sich nur verneigen kann. Die Streifen von Almodóvar sind, das glaube ich Flo ungesehen, mit Sicherheit ebenfalls nicht zu verachten, und was „Ich glaub, ich steh im Wald“ angeht: Auch wenn ich die Euphorie meines Kollegen nicht teile, sollte man Penns Spicoli in der Tat mal gesehen haben. In diesem Sinne: ich muss weg…



Und wer unseren Urteilen nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Freitags beim Zeitverschwender/Künstliche Welten und Hard Sensations, sowie Sonntags bei Blockbuster-Entertainment. Und der ganz besonderen TV-Tipp der Woche lässt sich (manchmal) bei Intermoviession finden (ebenfalls Sonntags).Und schließlich gibt es noch jede Menge (unkommentierte) TV-Tipps in der Astronautenbar.


Foto: „One less TV“ by Kevin Steele, lizenziert unter CC-BY-NC


4 Kommentare:

Dr. Borstel hat gesagt…

Du Sau, du! Na ja, ich schließe mich Tan und Christian mal an: "Little Children" auf keinen Fall verpassen!

Phil hat gesagt…

*Schmutz auf dich C.H.* :D

Elisabeth Maurer hat gesagt…

Mein absoluter Tipp wäre ebenfalls "Little Children": http://www.negativ-film.de/2010/06/tv-tipp-little-children-im-ard.html!
Ziemlich pessimistische Analyse der Urängste von Menschen und menschlichen Gemeinden.

C.H. hat gesagt…

Liebes "Negativ"-Team. Ich freue mich ja wirklich, wenn ihr hier bei mir kommentiert, zumal ich euren Blog für ziemlich gelungen halte - und regelmäßig lese. Ihr müsst also nicht jeden eurer Kommentare mit Links garnieren (immerhin enthält er in diesem Fall nicht nur den Link); ich lese euch auch so... ;-)

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