Das hat man eben davon, wenn man selbst mit schlechtem Beispiel voran geht. Nachdem ich mir letzte Woche eine Auszeit gegönnt habt, lässt sich diese Woche nun Tan entschuldigen. Aber immerhin bin ich nun wieder mit dabei. Und Flo? Der schreibt, und schreibt, und schreibt... Immerhin etwas auf das man sich verlassen kann.
Christians Empfehlungen der Woche
Montag, 28.06.10
„Manderlay“ (SWR, 23.30 Uhr)
Ich stelle diese Woche mal ganz unter das Motto Filme zu empfehlen, die ganz bestimmt ganz superkalifragilistischexpiallegetisch sind. Lars von Trier steckt mir mit seinem „Antichrist“ immer noch in den Knochen, der bislang auch der einzige Film des Dänen ist, den ich bislang gesehen habe. „Manderlay“ wiederum interessiert mich vor allem wegen Willem Dafoe. Der – so ist zumindest mein Eindruck – oftmals unterschätze Dafoe gehört meiner Meinung nach zu den besten und interessantesten Schauspielern seiner Generation – trotz oder gerade wegen seiner durchaus vorhandenen Tiefpunkte seiner Filmographie.
Mittwoch, 30.06.10
„Sleepy Hollow“ (Sat 1, 22.55 Uhr)
Ist der Burton, den ich mir immer wieder ansehen könnte. Eigentlich kann ich dies von den meisten Filmen des begnadeten Filmemachers behaupten. Nichts desto trotz versteige ich mich an dieser Stelle zu der Bemerkung, dass „Sleepy Hollow“ mein Lieblingsfilm des Regisseurs ist. Das liegt zum einen am Thema und dem damit verbundenem düsteren und nebligen Setting, und zum Anderen an Christina Ricci und Johnny Depp. Ricci ist leider viel zu selten in vernünftigen Rollen zu sehen, und Depp nimmt in diesem Film bereits einiges von dem vorweg, was ihn später als Jack Sparrow zu einem der gefragtesten Schauspieler der Welt machen wird.
Donnerstag, 01.07.10
„Zurück in die Zukunft“ (Vox, 20.15 Uhr)
Wenn man sich auf die Suche nach einem Film machen wollte, der nahezu perfekt ist, dann hätte man in „Zurück in die Zukunft“ einen geeigneten Kandidaten gefunden. Großartiger Spaß, den ich – wie den im vorigen bereits erwähnten Burton-Spaß – immer wieder guten Gewissens empfehlen kann. Und das obwohl ich mit Michael J. Fox gar nicht so viel anfangen kann.
Freitag, 02.07.10
„Gegen die Wand“ (ARD, 23.30 Uhr)
Gestern hat die deutsche Fußballnationalelf England mit 4:1 vom Platz gefegt. All die jungen Özils, Khediras und Boatengs wirbeln über den Platz, verleihen der DFB-Elf einen ganz neuen Anstrich und zeugen von einer sich wandelnden Gesellschaft, die sich mit Migration und Mulikulturalität auseinandersetzen muss. Was im Fußball Özil ist, ist im deutschen Film Fatih Akin, der mit seinen Filmen zwischen den Welten wandelt. „Gegen die Wand“ , preisgekrönt und kontrovers diskutiert, steht bei mir immer noch ungesehen im Schrank. Das sollte sich bald einmal ändern.
Samstag, 03.07.10
„Wächter des Tages“ (RTL, 22.35 Uhr)
Zu dem Film kann ich, abgesehen von der Tatsache das ich ziemlich gespannt bin, nicht viel sagen. Sicher ist nur, dass ich den ebenfalls von Timur Bekmambetovs inszenierten ersten Teil „Wächter der Nacht“ ziemlich gelungen finde, stellt das russische Fantasyspektakel doch eine äußerst interessante Alternative zu dem üblichen Hollywood-Einerlei dar. Wenn der zweite Teil also da anknüpft, wo der Vorgänger endete, kann eigentlich nicht mehr schief gehen.
Christians Warnung der Woche
Sonntag, 04.07.10
„Date Movie“ (Pro 7, 20.15 Uhr)
Es gibt Filme die man nicht gesehen haben muss, um zu dem Schluss zu kommen, dass sie zu nichts zu gebrauchen sind. Mehr ist zu diesem Film nicht zu sagen. Vielleicht eins noch: Bevor ich mir diesen Film ansehe, wird die Hölle zufrieren.
Flos Empfehlungen der Woche
Donnerstag, 01.07.10
„Kika“ (ARD, 00.35 Uhr)
Almodóvars von der Kritik schlecht rezipiertester Film, selbst noch nicht gesehen, aber hier rumliegen (also ähnlich wie zuletzt). Gibt wie immer einige bekannte Gesichter, so zum Beispiel Verónica Forqué („¿Qué he hecho yo para merecer esto!!“), Victoria Abril (siehe letzte Woche) und Rossy de Palma („Mujeres al borde de un ataque de nervios“). Mit seinen männlichen Darstellern (z.B. Peter Coyote) war Almodóvar dagegen mal wieder unzufrieden (siehe „La ley des deseo“). Vielleicht hätte ARD besser daran getan, statt „Kika“ das Meisterwerk des Mannes aus La Mancha, „Todo sobre mi madre“, auszustrahlen. Oder „La flor de mi secreto“. Oder „Carne trémula“. Naja, wie dem auch sei, Spaniens größter Regisseur neben/seit Luis Buñuel dürfte, könnte, sollte durchaus stets einen Blick wert sein. Und damit rette ich mich hinüber zum nächsten Tipp.
„Sprich mit ihr“ (ARD, 02.30 Uhr)
In seinem vierzehnten Film räumt der Auteur seinem üblichen Humor wenig Platz ein. Lediglich sein Film im Film, „El amante menguante“, als reflektorisches Element für Benignos Gefühle, lässt ein paar Schmunzler zu, steht jedoch auch repräsentativ für die darauffolgende Vergewaltigung. Erfreulicherweise ist Almodóvar in den letzten zwei Jahrzehnten reifer geworden, weshalb er nunmehr mit Vergewaltigungen sicherer umgeht, anstatt sie in zweideutiger Weise als Verweis auf den Franquismus zu missbrauchen (siehe seinen beiden Erstlingswerke). „Hable con ella“ ist ein Film über vier Figuren, der wenig über diese Figuren verrät. Das Innenleben von Benigno, Marco, Lydia und Alicia bleibt dem Publikum leider oft verwehrt. „Wer liebt, der spricht“, fasst Almodóvar die Prämisse des Filmes im Audiokommentar zusammen. Leider spricht „Hable con ella“ nicht ganz so gut zum Zuschauer, wie es bei seinem Vorgänger („Todo sobre mi madre“) der Fall gewesen ist.
„Beautiful Girls“ (3Sat, 22.25 Uhr)
Einer meiner Lieblingsfilme und dies nicht nur - aber auch - weil Natalie Portman mitspielt. Ein sehr schöner Film, des leider verstorbenen Ted Demme, über verblichene Träume, die Unart des Erwachsenwerdens und die Rückkehr in eine nostalgische Vergangenheit. Eine Geschichte, die nie alt wird, und stets aufs Neue unterhält. „Beautiful Girls“ erzählt von Freundschaft und von Liebe, vom Loslassen und vom Festhalten, von Verlust und von Gewinn. Damals war Matt Dillon noch jemand, dessen Namen man kannte. Uma Thurman, Mira Sorvino und Lauren Holden ergänzen die weibliche Riege, zu der auch Rosie O'Donnell und Annabeth Gish zählt. Den Film besitze ich - natürlich - ebenfalls auf DVD und habe ihn (aus Gründen, die hier den Platz sprengen würden) seither im Gegensatz zum unteren Film auch schon des Öfteren gesehen. „Where it began, I can't begin to know when, but then I know it's growing strong (...)“.
Freitag, 02.07.10
„Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ (RTL 2, 20.15 Uhr)
Einer von Lasse Hallstöms gelungeneren Filmen. Früher der einzig erträgliche DiCaprio-Streifen, weil er hier einen Behinderten spielt. Lebt allerdings primär vom jungen Johnny Depp, wobei ich nie verstanden habe, wie sich so jemand in Juliette Lewis (weder im Film, noch im realen Leben) verlieben konnte. Besonders stark ist die Szene, wenn Darlene Cates, die hier die übergewichtige Mutter spielt, zum ersten Mal seit Ewigkeiten - ich sag mal: Jahren - das Haus verlässt, um ihren Leo von der Polizeistation abzuholen. Gefangen zwischen familiärer Verpflichtung und dem jugendlichen Wunsch nach Unabhängigkeit muss Depp in „What's Eating Gilbert Grape“ Tag für Tag die richtige Entscheidung treffen. Hab ich mir vor vielen Jahren (2004?) auf DVD geholt, weil ich ihn so mag, aber seither nicht angesehen.
Sonntag, 04.07.10
„Lost Boys 2: The Tribe“ (Pro7, 23.30 Uhr)
Zwar noch nicht gesehen, dürfte auch nicht der über-Film sein, aber Corey Feldman und die Rückkehr der Lost Boys, das ist im Grunde doch mehr als man braucht. Außer den Frog Brothers (in gewissem Sinne, Newlanders Szenen haben es nicht in den fertigen Film geschafft, dafür kehrt er im dritten Teil nun zurück) gibt es dann auch keine bekannten Gesichter (Sutherland und Patric hatten wohl besser zu tun bzw. sind zum Teil ja auch ins Jenseits befördert worden, Haim wäre gerne zurückgekehrt, was dann aber nicht klappte, s. „The Two Coreys“). Als Schmankerl wartet dann in einer der Nebenrollen noch die leckere Autumn Reeser („The O.C.“) auf. Für Fans von „The Lost Boys“ also wohl mit Abstrichen geeignet. Für Feldman-Fans dagegen Pflicht.
Flos Warnung der Woche
Dienstag, 29.06.10
„Interview“ (NRD, 00.00 Uhr)
Der holländische Satiriker und Regisseur Theo van Gogh war speziell mit seinen antisemitischen und anti-islamischen Bemerkungen angeeckt. Wenig verwunderlich also, dass er durch die Hand eines islamischen Fundamentalisten auf offener Straße ermordet wurde. Vor seinem Tod hatte er geplant, in den USA drei seiner Filme neu zu drehen. Jene Aufgabe wollten nun seine Freunde und Kollegen fortführen. Der Schauspieler Steve Buscemi fungierte in „Interview“, dem gleichnamigen Remake von van Goghs 2003er Werk, nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Regisseur. Das Schubladen-Denken des Filmes, welches zu Beginn noch zum Schmunzeln ist, geht einem dann nach der Hälfte des Filmes nur noch auf den Zeiger. Der im dritten Akt platzierte Twist, der sich erst in der Schlussszene „offenbart“, ist dann letztlich nur genauso armselig, wie es bereits der gesamte zweite Akt war. Im Nachhinein verkommt „Interview“ somit zu einem aufgeblasenen Haufen Nichts, welches glücklicherweise bereits nach achtzig Minuten zu Ende geht.
Und wer unseren Urteilen nicht traut, oder weiterführende Anregungen benötigt, den verweise ich gerne auf die folgenden Kollegen, die ebenfalls im wöchentlichen Turnus ihre Empfehlungen unter das Volk bringen: Freitags beim Zeitverschwender/Künstliche Welten und Hard Sensations, sowie Sonntags bei Blockbuster-Entertainment. Und der ganz besonderen TV-Tipp der Woche lässt sich (manchmal) bei Intermoviession finden (ebenfalls Sonntags).Und schließlich gibt es noch jede Menge (unkommentierte) TV-Tipps in derAstronautenbar.
Foto: „One less TV“ by Kevin Steele, lizenziert unter CC-BY-NC







3 Kommentare:
Da hat man ja nicht mal was zu meckern, diese Woche. Christian hat sehr recht in Bezug auf Willem Dafoe, den sehenswertesten Burton und überraschenderweise auch "Wächter der Nacht", wobei ich dir vom zweiten Teil stark abrate, der ist nämlich reichlich verwirrend, und ich meine nicht die David-Lynch-Sorte Verwirrung, sondern die Matrix-Revolutions-Sorte Verwirrung. Flo seinerseits macht mich noch gespannter auf "Beautiful Girls", als ich ohnehin schon war. Hoffentlich denke ich ans Aufnehmen.
Beautifuil Girls hab ich leider übersehen. Ein unspektakulärer aber großer Film. (Btw war mir Ted immer lieber als sein überbewerteter Bruder).
Und dem Rant gegen Interview schliess ich mich auch hier nochmal an. Der Scheiss wird ja derzeit dauerversendet.
sondern die Matrix-Revolutions-Sorte Verwirrung.
Das wäre aber gar nicht gut. Aber überhaupt nicht.
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