Selbst im antiken Römischen Reich gab es Orte, an denen man sich lieber nicht aufhielt. Dazu gehörten ohne jeden Zweifel auch die Grenzgebiete an der Peripherie des Reiches. Britannien war einer dieser Orte, an denen sich die römischen Legionen ununterbrochen mit einheimischen Stämmen wie den Pikten herumschlagen mussten. Doch damit soll nun, so entscheidet Rom, endgültig Schluss sein. Die Legio IX unter der Führung von Titus Flavius Virilus wird in Marsch gesetzt, um im Piktenland einmal ordentlich aufzuräumen. Die Legion gerät jedoch – heimtückisch verraten – in den dichten Wäldern Britanniens in einen Hinterhalt und wird bis auf eine Handvoll Überlebender niedergemetzelt. Das überlebende Sextett versucht sich in der Folge, stets verfolgt von einer Gruppe Pikten, zu den eigenen Linien durchzuschlagen. Nach Marshalls gescheitertem Versuch dem Endzeitkino der Achtziger Jahre mit „Doomsday“ ein Denkmal zu setzen, durfte man gespannt sein, wie sich der Brite auf dem Gebiet des Sandalenfilms schlagen würde. In „Centurion“ zeigt sich nun, dass Fokussierung und Konzentration wahre Wunder bewirken kann. Litt „Doomsday“ neben einigen anderen Schwächen vor allem auch an der Unentschlossenheit des Geschehens, präsentiert sich Marshalls Historienkracher als gefälliges antikes hide and seek.
Überaus gefällige, in einen kühlen Blauton getauchte Landschaftsaufnahmen verleihen dem simplen, dafür aber recht stringenten Versteckspiel eine hübsche Atmosphäre, die mit der erwarteten Härte angereichert wird. In seinen Schlachtszenen präsentiert sich „Centurion“ als wohltuende Alternative zum mainstreamigen, von allen Ecken und Kanten befreiten Hochglanzgemetzel der großen Blockbuster, in denen der Schlachtentod immer wieder blutbefreit sowie geradezu leicht erscheint. Überdies implementiert Marshall mit Axelle Carolyn und Olga Kurylenko zwei Darstellerinnen, die aus dem üblichen Genreeinerlei auszubrechen vermögen. Gerade Kurylenko präsentiert sich als dem männlichen Actionhelden gleichberechtigte, von jeglicher Romantisierung befreite Amazone, die ganz selbstverständlich den Kommandanten der Legio IX im Zweikampf dahinschlachten darf. Insgesamt erweist sich „Centurion“ somit als unterhaltsames Actionspektakel ohne großen Anspruch, das insgesamt zu überzeugen vermag. Allerdings mangelt es den Protagonisten ein wenig an der Charakterisierung, so dass Darsteller wie Domic West oder Michael Fassbender beliebig und austauschbar erscheinen. – Fazit: 7 von 10 Punkten.
"Tucker and Dale vs Evil"
„Tucker and Dale vs Evil“ verdiente sich bereits bei dem Hamburger und Berliner Publikum des Fantasy Filmfest Bestnoten. Hannover wird dieser Empfehlung nun folgen. Regisseur Eli Craig ist es im Zuge seines Regiedebüts gelungen dem Slasher, genauer gesagt dem Backwood-Slasher, tatsächlich neue Facetten abzugewinnen. Tucker (Alan Tudyk) and Dale (Tyler Labine) sind die besten Freunde. Niemals würden sie auch nur einer Fliege Leid antun können. Alles was sie wollen ist gekühltes Dosenbier sowie ein paar entspannte Tage in deren neuen Ferienhaus. Leider sehen die beiden Kumpels aber weder sonderlich vertrauenswürdig aus, noch sind sie sonderlich clever. Als sie dann im Wald auf eine Gruppe urlaubender College-Teenies treffen, die Tucker and Dale für durchgeknallte Hillbilies halten, ist der Schlamassel vorprogrammiert. Dabei wollten die Beiden doch nur helfen und trotzdem bricht im tiefen Wald schon bald blutigstes Chaos aus, dem ein Teenager nach dem anderen zum Opfer fällt.
Einer der Gründe warum „Tucker and Dale vs Evil“ so gut funktioniert, ist die Beibehaltung der genretypischen Elemente bei gleichzeitiger Verkehrung. So sind sowohl die bedrohlich aussehenden Hinterwäldler, als auch die überdrehte Collegegruppe von nebenan vorhanden. Die Perspektive von „Tucker and Dale vs Evil“ ist jedoch verschoben. Während die vermeintlichen Psychopathen in Wirklichkeit nette Kerle sind, werden sie von den Teenangern, die ihr Urteil basierend auf dem Genuss der genretypischen Streifen treffen, als gemeingefährliche Monster gesehen. Das führt zu zahlreichen skurrilen Situationen, die ebenso blutig wie zum Brüllen komisch sind. Nun ist die Konzeption eines Films natürlich nur ein Aspekt, der niemals so gut funktioniert hätte, hätte sich der Film nicht auch seinen beiden Protagonisten gewidmet. Man spürt in „Tucker and Dale vs Evil“ einfach die Liebe zum Detail, die sich vor allem auch auf die beiden Hauptdarsteller überträgt. Alan Tudyk und Tyler Labine bilden ein kongeniales Duo mit blindem Verständnis und großem komödiantischen Gespür. Dass es für Eli Craig dann nicht für die höchsten Weihen reicht, liegt daran, dass „Tucker and Dale vs Evil“ das Tempo in der zweiten Hälfte spürbar zurücknimmt, um sogar noch eine kleine Botschaft unter das Volk zu bringen. Insgesamt erweist sich der Film jedoch als großartiger und morbider Klamauk, den man sich nicht entgehen lassen sollte. – Fazit: 8,5 von 10 Punkten.












3 Kommentare:
"Tucker and Dale vs Evil" hab ich ledier verpasst, muss ich noch nachholen und freu mich schon.
Centurion seh ich ähnlich gut, nicht überragend, aber durchaus kurzweilig.
Bist Du mir also doch noch bei Centurion zuvorgekommen ;-)
Klingt aber gar nicht schlecht oder sagen wir so: wie erwartet.
Von Tucker and Dale vs Evil liest man ja auch quasi nur Gutes, der steht jetzt auch bei mir auf der Liste
Tucker & Dale Vs. Evil läuft übrigens auf dem diesjährigen Weekend of Horrors als Sneak Preview!
Am 13.11.2010 um 23:00 Uhr im Cinestar Oberhausen. Der Vorverkauf startet in Kürze auf der Cinestar-Homepage!
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