Kurz und Knackig Vol. 8


Battle Royale“ (2000)

Meine Ausflüge in die asiatische, respektive japanische Filmwelt sind äußerst rar gesät. Auch die Sichtung von „Battle Royale“ wird an dieser Tatsache nicht sonderlich viel ändern, auch wenn das Gezeigte durchaus als unterhaltsam bezeichnet werden darf. Wie zu lesen ist, löste „Battle Royale“ selbst in Japan eine Diskussion über Gewaltdarstellung in den Kinos aus, was wohl zur Folge hatte, dass der Film für Jugendliche unter 16 Jahren nicht freigegeben wurde. Was daran jetzt so bemerkenswert sein soll, erschließt sich allerdings nicht wirklich, muss doch nach Sichtung des Films konstatiert werden, dass der Film – so wie in Deutschland geschehen – eher ab 18 und nicht ab 16 Jahren freigegeben werden sollte. Der Film, der von einem dystopischen Japan erzählt, in dem einmal im Jahr eine durch den Zufall bestimmte Klasse von Neuntklässlern auf eine verlassene Insel verfrachtet wird, wo sich die Gören dann bis zum Tod bekämpfen sollen – nur der letzte Überlebende erhält die Möglichkeit in die Zivilisation zurückzukehren – ist nämlich durchaus starker Tobak. Erstaunlicherweise ist jedoch festzustellen, dass in dem Kinder-Schlachtfest, um es mal plastisch auszudrücken, zu wenig gemetzelt und zu viel debattiert wird. Da nämlich auch im Fall von „Battle Royale“ gilt, dass einem die Figuren ebenso egal sind, wie das ganze Gesülze drum herum, erweist sich der Film abseits seiner dann doch durchaus blutigen Actionsequenzen als ziemlich zäh und bemüht. Insgesamt also ein durchaus unterhaltsamer, letztlich aber nicht weiter bemerkenswerter Abstecher in die halbseidene Welt des japanischen Genrekinos – Fazit: 6 von 10 Punkten.


Ein (un)möglicher Härtefall“ (2003)

Eine romantisch angehauchte Komödie von den beiden Coen-Brüdern? Die Frage, ob dies gut gehen kann, ist angesichts des Oeuvres der beiden Regisseure mit der Vorliebe für schräge Filme durchaus berechtigt, letztlich allerdings nicht ganz eindeutig zu beantworten. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass ein Coen ein Coen ist. Auch im Fall dieses, geht man nach der Inhaltsangabe , so eindeutigen Chick flicks ist von der ersten Minute an offensichtlich, dass man es hier mit einem Coen-Film zu tun hat. Schräge und narzisstische Charaktere, sowie immer mal wieder überzeugende Situationskomik führen dazu, dass sich der geneigte Coen-Jünger auch in diesem Film heimisch fühlen darf. Leider vermag „Ein (un)möglicher Härtefall“ jedoch nicht vollständig zu überzeugen. Die Geschichte um den von Clooney gespielten Scheidungsanwalt Miles Massey, der sich mehr Gedanken über das Bleichen seiner Zähne, als um seine Mitmenschen macht, sowie der Heiratsschwindlern Marilyn Rexroth, von Catherine Zeta-Jones verkörpert, hat sicherlich Potential, wird aber zu selten ausgeschöpft. Selbstverliebter Karrierist verknallt sich in eiskalte Herzensbrecherin. End of the Story. Was die Chance eröffnen würde, ein urkomisches Intrigenspiel aufzuziehen, kommt leider viel zu kurz. Stattdessen verplempern die Coens viel zu viel Zeit, um Figuren und Setting einzuführen, und dann – wenn alles angerichtet ist – ist plötzlich Schluss. Damit krankt der Film an dem gleichen Übel, das wenige Jahre später auch „Burn after Reading“ fast das Genick brechen wird. – Fazit: 6,5 von 10 Punkten.


Get Smart“ (2008)

Dass „The Office“-Star Steve Carrel ausgeprägtes komödiantisches Talent besitzt, stellt der Amerikaner nicht nur im Fernsehen, sondern auch immer mal wieder im Kino unter Beweis. „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ sowie „Little Miss Sunshine“ seien an dieser Stelle exemplarisch genannt. „Get Smart“ darf nun dieser Liste ohne große Bedenken hinzugefügt werden. Die äußerst vergnügliche Agentenkomödie punktet dabei nicht nur mit gekonnter Situationskomik, sondern profitiert vor allem auch vom Zusammenspiel seiner beiden Hauptdarsteller. So steht Carrel die wieder einmal bezaubernde Anna Hathaway zur Seite und in Sachen Humor in nichts nach. Basierend auf der gleichnamigen Serie von Mel Brooks aus den Sechziger Jahren, entspinnt sich ein mit zunehmender Spielzeit immer flotterer Spaß, der mit spielender Leichtigkeit die Laune zu verbessern mag. Ein echtes Feel Good Movie wie man es sich häufiger wünschen würde. Nicht zu ernst, aber auch nicht zu albern. Ohne großen Anspruch, aber auch nicht zu dämlich. Woran sich unzählige Filme die Zähne ausgebissen haben, scheint hier praktisch im vorbeigehen zu funktionieren. Es kommt nicht häufig vor, dass ich mir eine Fortsetzung wünsche, in diesem Fall hätte ich allerdings keinerlei Einwände. Einstweilen muss ich mich jedoch dringend Carells neuem Film „Date Night“ zuwenden, auch wenn die Kritiken trotz des Mitwirkens von Tina Fey eher gemischt ausfielen. – Fazit: 8 von 10 Punkten.


Der letzte König von Schottland“ (2006)

Anfang der Siebziger Jahre kam in Uganda Idi Amin an die Macht. Dessen Diktatur sollte in den knapp zehn Jahren seiner Herrschaft zwischen 300000 und 400000 Menschen das Leben kosten. „Der letzte König von Schottland“ verhandelt Amins Tyrannei einerseits auf der Basis tatsächlicher Ereignisse, sowie andererseits anhand der gleichnamigen Romanvorlage von Giles Foden. Dies ist schon allein deshalb reizvoll, weil hier von vornherein versucht wird, ein dunkles Kapitel der Historie fiktiv zu erzählen, und so darauf verzichtet wird, einem Spielfilm einen quasidokumentarischen Charakter zu verleihen. Bernd Eichinger sollte sich daran mal ein Beispiel nehmen, wenn er sich das nächste Mal an einer historischen Verfilmung versucht. Leider macht aber auch „Der letzte König von Schottland“ bei Weitem nicht alles richtig. Zwar gibt es an der völlig zu Recht oscarprämierten Performance von Forest Whitaker nichts auszusetzen, für seinen Nebenpart James McAvoy kann dies allerdings nur eingeschränkt behauptet werden. Mag es McAvoy zunächst noch gelingen den jovialen und etwas naiven Charakter des frischgebackenen Arztes, der sich von dem Charme des Diktators um den Finger wickeln lässt, annehmbar zu verkörpern, gilt dies für die Darstellung der Läuterung seiner Figur eben nicht mehr. Dies allerdings ist für den Film ein echtes Problem, wie überhaupt konstatiert werden muss, dass der von Kevin Macdonald inszenierte Film mit zunehmender Spielzeit sukzessive schwächer wird. So ist der offensichtlich empfundene Zwang am Ende noch auf drastische Bilder der Gewalt zurückgreifen zu müssen, auch der Tatsache geschuldet, dass man vorher nicht genug Wert auf die Ausdifferenzierung der verschiedenen Facetten des Diktators gelegt hat. Was bleibt ist ein überragender Whitaker, der die teils eminenten Schwächen des Films jedoch nicht vollständig zu überdecken vermag. – Fazit: 7 von 10 Punkten.


Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (2008)

Es ist wirklich zum Schmunzeln, wenn man liest, dass Keanu Reeves für Regisseur Scott Derrickson die einzige Wahl für die Besetzung des außerirdischen Botschafters in „Der Tag, an dem die Erste still stand“ gewesen ist. Warum das so ist, erschließt sich, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass One Face Reeves immer dann gut ist, wenn er mit seinem einzigen stoischen Gesichtsausdruck durch den Film stiefeln darf. Leichtes Spiel für Reeves also. Aber auch ansonsten erweist sich das Remake des gleichnamigen Vorgängers aus den Fünfziger Jahren, hier nun natürlich von der Metaphorik des Kalten Krieges befreit, als solide Science-Fiction Unterhaltung. Insbesondere der flotte Beginn, der die Erdenbürger mit einem urplötzlichen, alles zerstörenden Einschlag eines unbekannten Objekts konfrontiert, erweist sich als überaus gelungen. Der weitere Verlauf kann allerdings nicht halten, was der erfrischende Auftakt verspricht. Die dem Film zu Grunde liegende Botschaft des Films – Trottel Mensch zerstört die Erde – wird dem Publikum in der Folge mit dem Holzhammer eingetrichtert. Übertroffen wird dies nur noch von der stereotypen Darstellung der amerikanischen Regierung, die in ihrem militärischen Aktionismus natürlich alles falsch macht, was es falsch zu machen gibt. Zu Gefallen wissen in diesem Film hingegen die Darsteller. Jaden Smith, einer der Sprösslinge von Will Smith, präsentiert sich auch ohne seinen Vater als überzeugender Jungdarsteller, während der kleine Auftritt von John Cleese sicherlich zu den gelungensten Momenten des Films gehört. Jennifer Connelly schließlich müht sich redlich ihrer recht eindimensionalen Rolle ein wenig Profil zu verleihen, was ihr glücklicherweise auch gelingt. – Fazit: 5,5 von 10 Punkten.


Street Kings“ (2008)

Kennst du Einen, kennst du Alle. „Street Kings“ erweist sich als erneuter Versuch Korruption und Verbrechen innerhalb der Polizei zu thematisieren. Und um es von Beginn an zu sagen: Diesen Film hätte es wahrlich nicht gebraucht. Ein vom Dienst gezeichneter Cop (Keanu Reeves), mit – natürlich – tragischer Lebensgeschichte ballert sich durch den Sumpf der amerikanischen Gesellschaft, während in seiner eigenen Behörde Zustände wie in Sodom und Gomorrah herrschen. Reeves, der in „Street Kings“ wenig überzeugend agiert – braucht es doch mehr als einen Gesichtsausdruck - ist in diesem Fall allerdings nur das Geringste von zahlreichen Übeln. Über die Tatsache, dass James Ellroy bei dem Drehbuch mitgeschrieben hat, denkt man am Besten gar nicht erst großartig nach, oder aber man versucht sich einzureden, dass er sicherlich und hoffentlich kaum etwas dazu beigetragen hat. In all den bemühten Stereotypen und Klischees des Genres, versucht sich „Street Kings“ als vermeintlich intelligent konstruierter Thriller zu verkaufen, was kolossal fehlschlägt. Der Plot des Films ist nämlich in etwa so überraschend wie Sonne im Sommer. Forest Whitaker verkommt in „Street Kings“ zu allem Überfluss zu einer eindimensionalen Karikatur. Einzig der aus „House“ bekannte Hugh Laurie vermag in dem Film wirklich zu überzeugen. – Fazit: 5 von 10 Punkten.


16 Kommentare:

luzifus hat gesagt…

Auch wenn meine Rezeption von "Battle Royale" schon etwas zurückliegt, kann ich nicht ganz mit deinen Argumenten mitgehen. Es geht eben eher um das Debattieren als das Metzeln. Es geht darum, wie eine moralisch schuldige, aber untereinander solidarische Gruppe aufgesprengt, letzter Zusammenhalt gesprengt wird, weniger um Action, die jedoch notwendiges Mittel ist. Zugegebenermaßen hätte man der ein oder anderen Figur jedoch noch einen charakterlichen Anstrich mehr geben können.

Zu "Street Kings": Ein Film, den ich mal irgendwann gesehen und dessen Inhalt ich kurze Zeit soäter ob seiner Überraschungsfreiheit (wie du auch heraus gestellt hast) komplett wieder vergessen habe.

Flo Lieb hat gesagt…

Da blutet einem das Herz. BATTLE ROYALE schlechter bewertet als dieser grauenhafte Coen-Film. DER TAG AN DEM DIE ERDE STILL STAND quasi auf ein Level mit dem grausigen STREET KINGS gehievt. Und dieses Rumgehacke auf Reeves, wo der auf diesem Blog so gelobte DiCaprio in jedem Film ebenfalls dasselbe Programm runterdüdelt (von Schauspielerei wage ich hier nur eingeschränkt zu sprechen). Was an der Darstellung der USA stereotyp sein soll, weiß ich auch nicht (die machen eben immer alles falsch, was man falsch machen kann, s. Vietnam, s. Irak, s. Afghanistan - von Sachen wie Proposition 8 gar nicht erst zu sprechen). Und dann dieses Balg vom Smith loben - hätte ich nen Herzschrittmacher, der würde grad soviel arbeiten müssen, wie das Schweizer CERN.

C.H. hat gesagt…

@ Luzifus:

Es geht darum, wie eine moralisch schuldige, aber untereinander solidarische Gruppe aufgesprengt, letzter Zusammenhalt gesprengt wird

Man hätte den Figuren nicht nur mehr charakterlichen Anstrich geben können, sondern müssen. Es ist natürlich offensichtlich, worauf der Film hinaus will (du hast es ja angesprochen), aber bei mir ist das schlicht und ergreifend nicht angekommen. Oder mit anderen Worten: Ich habe es "Battle Royale" nicht abnehmen können - und dann bleibt eben nur noch die Action.

@ Flo:

Ja klar. NATÜRLICH machen die USA immer und alles falsch. Wohl das Weltbild aus zu viel schlechten Filmen übernommen. Und der Coen mag nun mit Sicherheit nicht der Bringer sein, aber grauenhaft ist dann doch was Anderes. Apropos CERN: Hab heute Abend noch mal "Illuminati" gesehen und den wieder einmal dufte gefunden. ;-)

Flo Lieb hat gesagt…

Wohl das Weltbild aus zu viel schlechten Filmen übernommen.

Wohl eher das aus den zu wenigen guten ;)

Was machen die USA denn richtig? Rück mal raus.

donpozuelo hat gesagt…

Ach, "Battle Royal"... ein klasse Film, wie ich finde. Sicher kann man darüber streiten, aber der Film ist großartig und ein klassisches Beispiel dafür, wie abgedreht die Japaner sein können. ;)

Dr. Borstel hat gesagt…

"Get Smart" habe ich ja, ehrlich gesagt, ziemlich furchtbar in Erinnerung. Carrel ist ja durchaus okay, aber zu seinen Talenten gehört leider nicht die Fähigkeit, eine langweilige Story in den grünen Bereich zu hieven.

@Flo Lieb: Zum Beispiel haben wir den Amerikanern eine hpbsche kleine Erfindung namens Demokratie zu verdanken. Ich bin ja generell eher Contra Amerika, aber Schwarz-Weiß-Malerei hilft auch niemandem weiter.

Flo Lieb hat gesagt…

Jau, Dr. Borstel, die Demokratie - auf so ne Idee sind wir Deutschen ja noch nie von alleine gekommen...Blauäugigkeit hilft auch niemandem ;)

C.H. hat gesagt…

Zu Hülf. Was hab ich da nur ausgelöst. Das wollt' ich nicht...^^

Dr. Borstel hat gesagt…

@Flo: Ja, und wir das mit der Demokratie damals selbst in die Hand genommen haben, hat das natürlich auch super funktioniert. ;-)

@C.H.: Zu spät. =D

Phil hat gesagt…

C.H. - da musst du wohl noch ein wenig mehr auf die Asia-Schiene gebracht werden ;)

Flo Lieb hat gesagt…

@Dr. Borstel: Ja, das Aufzwingen einer Demokratie durch die guten alten USA klappt ja auch astrein, wie im Irak zu sehen. Über die Frage, wie sinnvoll eine aufgezwungene Herrschaftsform generell ist, könnte man ohnehin Dissertationen verfassen, genauso über die Rolle der USA in WW2. Aber gut, ich sehe schon, hier schlafen alle mit dem Star Spangled Banner unterm Kopfkissen.

C.H. hat gesagt…

Aber gut, ich sehe schon, hier schlafen alle mit dem Star Spangled Banner unterm Kopfkissen.

Da ist es eigentlich ziemlich verwunderlich, dass Stefan hier noch nicht aufgetaucht ist.^^

xander81 hat gesagt…

"Der Tag, an dem die Erde stillstand" ist im Vergleich zum Original wirklich mal ein ganz schlimmer Film - aber was Reeves Eignung für diese Rolle angeht, da kann ich dir nur Recht geben. Genau so wie es mir wie Luzifus ging bzgl. "Street Kings". Wobei der Reeves-Film noch ne Ecke schlechter ist.

Und Amerika verdanken wir Burger King. Danke dafür.

Dr. Borstel hat gesagt…

@Flo: Den Zweiten Weltkrieg mit dem Irakkrieg zu vergleichen zeugt von großem Geschichtsverständnis. Und sorry, das Star Spangled Banner entspricht leider nicht meinem Geschmack. Dann doch lieber die Internationale.

Flo Lieb hat gesagt…

Den Zweiten Weltkrieg mit dem Irakkrieg zu vergleichen zeugt von großem Geschichtsverständnis.

Ich weiß, daher hab ich es ja geschrieben.

luzifus hat gesagt…

@ alle: Immer wieder erstaunlich, in welche Richtungen sich Dikussionen um Filmkritiken immer wieder entwickeln können ;-)...

@ C.H.: An den Figuren hätte man tatsächlich noch etwas feilen können, aber das ist vielleicht auch so ein kulturelles Problem. "Battle Royale" funktioniert hierzulande sicherlich anders als in Japan.

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