

Das Kino eines Quentin Tarantino oder eines Guy Ritchie erfreut sich seit Jahren anhaltender Beliebtheit. Da vermag es natürlich nicht zu verwundern, dass deren stilistischen Eigenarten und deren Ideen ganz gerne mal von Anderen kopiert werden. Dies liegt in der Natur der Sache und ist prinzipiell gar nicht weiter schlimm. Zwischen Kopieren und Verstehen besteht jedoch bisweilen ein gewaltiger Unterschied. Nichts ist peinlicher, als wenn auf Zwang ein Stil kopiert werden soll, den man abseits der glänzenden Oberfläche nicht verstanden hat. Noch peinlicher – obschon das schwerlich möglich ist - ist es allerdings, wenn man es noch nicht auf einmal auf die Reihe bekommt, das glänzende Etwas, das sogar der sprichwörtliche Blinde mit dem Krückstock erkennen würde, einzufangen und für die eigenen Zwecke zu nutzen. Joe Carnahans missratender Bastard von einem Film „Smokin' Aces“, der so gerne wie Tarantino oder Ritchie wäre, ist einer dieser Fälle. Das ist umso überraschender, als Carnahan mit „Narc“ einst einen grundsoliden Copthriller inszeniert hat, der sich durchaus sehen lassen kann. „Smokin' Aces“ gleicht jedoch dem sprichwörtlichen Griff in die Keramik, misslingt dem Film doch so ziemlich alles, was misslingen kann.
Primo Sparazza (Joseph Ruskin), einer der letzten Clan-Chefs der Cosa Nostra liegt im Sterben. Vor seinem Dahinscheiden gibt der Alte noch den Befehl aus, den bei der Mafia in Ungnade gefallenen Buddy „Aces“ Israel (Jeremy Piven) ins Jenseits zu befördern. Um sicher zu gehen, dass Israel auch tatsächlich das Ticket in die ewigen Jagdgründe löst, lässt Sparazza eine Prämie von Einer Million Dollar für Israels Herz ausloben. Diese absurd hohe Summe bestärkt die ermittelnde Polizei darin, Buddy Israel zum Kronzeugen der laufenden Ermittlungen gegen Sparazza zu machen. Das Problem dabei: Israel befindet sich nicht in der Gewalt der Polizei, sondern für Jeden gut zugänglich in einer Hotelsuite in Nevada zwischen Koks, Blackjack und Nutten. Deswegen werden die FBI-Agenten Richard Messner (Ryan Reynolds) und Donald Carruthers (Ray Liotta) von ihrem Vorgesetzten Stanley Locke (Andy Garcia) damit beauftragt, Israel in Schutzhaft zu nehmen, bevor der künftige Kronzeuge – und damit die Ermittlungen – ernsthaften Schaden nehmen. Selbstredend machen sich aber nicht nur Messner und Carruthers auf den Weg nach Nevada, sondern eben auch das schlimmste Geschmeiß, was das kriminelle Milieu zu bieten hat.
Nachdem Carnahan die reichlich ungelenke Exposition der ganzen Chose erst einmal hinter sich gebracht hat, kennt „Smokin' Aces“ nur noch eine Richtung. Mit Vollgas voraus in den Untergang. Was sich als Handlung tarnt, und sich tatsächlich erdreistet gegen Ende auf einmal einen auf Moral und Ernst machen zu wollen – der Gipfel der Lächerlichkeit – ist reine Staffage, um die auf cool getrimmten, dabei aber keinesfalls coole Baller-Äääktschnn in nicht nur blutiger, sondern auch absolut dämlicher Art und Weise zu inszenieren. Wo Gewalt bei Quentin Tarantino niemals reiner Selbstzweck ist und Guy Ritchie, vor allem in seinen früheren Filmen, ein wunderbares Gespür für echte Typen besitzt, beweist Carnahan, dass er mit „Smokin' Aces“ absolut, aber auch absolut gar nichts verstanden hat. Da rennen wild gewordene und saublöde Nazi-Klischees sabbernd und grunzend durch die Gegend, während wilde Killerlesben zum großangelegten Showdown rüsten. Das ist weder cool, noch unterhaltsam, sondern geistiger Dünnpfiff aller ersten Güte.
Das schlimme dabei: Hat Carnahan inhaltlich schon nichts zu bieten, vermasselt er den Film so also auch noch inszenatorisch. Was für gewöhnlich als launiges Style over Substance durchgewunken werden könnte, erweist sich im Fall von „Smokin' Aces“ als no Substance, no Style. Ganz starke Leistung. Da passt es absolut ins Bild, das auch die Darsteller verbraten werden, als ob man diese im 99-Cent-Laden um die Ecke vom Grabbeltisch erstanden hätte. Ray Liotta und Andy Garcia glänzen durch darstellerische Abstinenz, Ryan Reynolds mit abwesendem Charisma. Jeremy Piven, Ben Affleck, Chris Pine. Alle – mitgehangen, mitgefangen – fest verwoben im ganzen Elend dieses traurigen Desasters. Die größte Lachnummer ist allerdings das Schauspieldebüt von Alicia Keys, für gewöhnlich wunderbare Sängerin, hier jedoch dermaßen auf Krampf gegen ihr Image gebürstet, dass es nur noch lächerlich ist. Während sich Keys also mit diversen fucks durch die Handlung bitched (huch, wie verrucht), sehnt man sich nur noch der erlösenden Gnade des Endes entgegen. Das wartet dann mit einem vermeintlich grandiosen Twist auf, zeugt jedoch vielmehr davon, wie wenig „Smokin' Aces“ die Vorbilder, die der der Film vergeblich zu zitieren sucht, verinnerlicht hat. Was für ein Dreck. – Fazit: 2 von 10 Punkten.






9 Kommentare:
Ja, da kann ich nur zustimmen. Die "großartige Wendung" des Films hat man auch schon nach zwei Minuten raus und danach wird einfach nur wild rumgeballert.
Oha - da sind wir ja mal völlig anderer Meinung. Nun ist "Smoking Aces" keine filmische Offenbarung, aber ich finde ihn durchaus unterhaltsam und gut gemacht. Muss ihn wohl mal wieder schauen...
Hey, hab vor kurzem ebenfalls ein Review zu "Smokin' Aces" abgetippt, das allerdings noch auf die Veröffentlichung wartet. ;-) So viel sei dann aber schon mal gesagt, ich komme zum gleichen Ergebnis. Was für ein absoluter Blödsinn. Dieser Film geht noch nicht mal als unterhaltsamer Trash durch, er ist einfach nur schlecht.
Müsste den auch nochmal schauen oder doch lieber nicht? Fand ihn zwar damals auch eher schlecht als recht aber in letzter Zeit habe ich mehrere solcher Verrisse dazu lesen müssen. Tendenziell würde ich dem eine 4.5/10 geben also mehr als das Doppelte von Dir.
Ich weiß jedenfalls noch, dass die Story wirklich unter jede Sau war und ich mir teilweise die Frage stellte ob nur ich zu blöd dafür bin oder ob das Ganze wirklich keinen Sinn ergibt.
@ Xander81 und Candide:
Ich werde mir den mit Sicherheit nicht mehr anschauen. Ich habe ja nun wahrlich nichts gegen Trash, aber den Film epfand ich nur als hochgradig ätzend. Und da hänge ich meine Kritik nun wirklich nicht am Inhalt auf. De facto das geringste Problem. :)
@ Dr. Borstel:
er ist einfach nur schlecht
Second that!
Ich weiß schon, warum ich den Film vor einiger Zeit von meiner Wunschliste gestrichen habe. ;)
so ganz schlimm sehe ich ihn nicht, aber nur bei Tarantion klauen reicht halt auch nicht für einen guten Film
Hab den nie gesehen und gut, dass ich auch kein großes Interesse hatte das zu ändern ^^
Signed. Aber dermaßen: http://tinyurl.com/3y5pdlt
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