Rezension: "Resident Evil - Afterlife"












Hast du nichts zu erzählen, dann lass es wenigstens gut aussehen und ordentlich krachen. Nach diesem Motto funktionierten und funktionieren nicht nur unzählige Actionfilme von „300“ bis hin zu „Transformers“, sondern auch die „Resident Evil“ - Reihe, die nun schon ihren vierten Ableger spendiert bekommen hat. Seitdem sich Milla Jovovich 2002 zum Ersten Mal fiesen Zombies stellte, die als Resultat eines fehlgeschlagenen Experimentes die Menschheit bedrohen, sind nunmehr Acht Jahre vergangen. In diesen Jahren entwickelte sich die Adaption des gleichnamigen Videospiels zu einem überaus rentablen Franchise, dass jedoch – man muss es so deutlich sagen – sukzessiver schwächer geworden ist. Konnte Teil Eins noch relativ gut gefallen, zeigte sich spätestens bei „Resident Evil – Extinction“, Ableger Nummer Drei, dass der ganzen Angelegenheit langsam aber sicher die Luft auszugehen drohte. Irgendwann reicht es eben nicht mehr Milla Jovovich durch die Gegend hüpfen zu lassen, um im Kinosaal begeisterte Reaktionen zu evozieren. Da traf es sich gut, dass James Cameron Ende des letzten Jahres der Filmindustrie mit seiner 3D-Technologie ein neues Spielzeug in die Hände gegeben hat. Das Ende vom Lied war abzusehen: „Resident Evil – Afterlife“ kommt – natürlich – in 3D.


Ein Jahr nach Ende des dritten Teils. Alice (Milla Jovovich) hat sich mit ihren geklonten Alice-Kolleginnen erfolgreich bis nach Tokio durchschlagen können. Dort macht sie mit dem ansässigen Quartier der Umbrella-Corporation kurzen Prozess und fegt einmal ordentlich durch. Dies nimmt Oberfiesling Albert Whesker (Shawn Roberts) selbstredend persönlich und beraubt Alice ihrer Superkräfte. Leider vergisst Whesker dabei auf sein Flugzeug zu achten und knallt gegen den nächsten Berg. Alice überlebt selbstredend den Crash und macht sich auf die Suche nach Arcadia, der letzten von gesunden Menschen bevölkerten Stadt, die sich inmitten von Alaska befinden soll. In Alaska findet Alice jedoch nur eine verwirrte Claire Redfield (Ali Larter). Ein klassischer Fall von dumm gelaufen; nächste Ausfahrt: Los Angeles. Inmitten der zerstörten Stadt angekommen, treffen die Beiden auf eine Gruppe Überlebender, die sich in einem Gefängnis verschanzt haben. Da sich die aber die fiesen Zombies durch den Boden gewühlt haben, ist es dort nicht mehr sicher. Ein Ausbruch muss her. Das Ziel: Arcadia. Wie sich herausstellt keine Stadt, sondern ein Schiff, das vor der Küste von Los Angeles hin und her dümpelt. Gesagt, getan und auf los geht’s los.


Für „Resident Evil – Afterlife“ hat es sich zum Ersten Mal seit Teil Eins Paul W. Anderson, der sich auch stets für die Drehbücher der Reihe verantwortlich zeigte, wieder auf dem Regiesessel gemütlich gemacht. Er dachte wohl, dass 3D ein großer Spaß sei, den er sich unmöglich entgehen lassen kann. Und damit sind wir auch direkt am Herzstück des Films angelangt. Man mag an „Resident Evil – Afterlife“ kritisieren, was man will. Man muss dem Film jedoch zu Gute halten, dass er sich darum bemüht hat, die 3D-Technologie vernünftig einzusetzen, und nicht nur als nachträgliches Gimmick zu missbrauchen (so wie im Fall von „Kampf der Titanen“), um noch schnell auf den fahrenden Erfolgszug aufzuspringen. Und was soll man sagen? Dieser Film ist der beste Beweis dafür, dass 3D im Moment nicht mehr als eine optische Spielerei ist, die allerdings hervorragend dazu geeignet ist, Filme, die nur von ihren visuellen Spielereien leben, spürbar aufzuwerten. Die Handvoll Actionszenen, die von Anderson auf den Punkt inszeniert werden, machen unfassbar viel Laune. In 3D umherfliegend Patronenhülsen, durch die Luft wirbelnder Mörtel, auf das Publikum zurasende Wurfsterne, sowie nicht zuletzt die nun in der dritten Dimension metzelnden Milla Jovovich – all dies macht im Verbund mit dem knackigem Soundtrack ziemlich Laune.


So weit so gut. Die Kehrseite von der Medaille ist jedoch, dass abseits der optischen Brillanz, die immer wieder aufblitzt, gähnende Leere herrscht so weit das Auge reicht. So gehören die Dialoge sicherlich zum absolut dämlichsten, was seit längerer Zeit im Kino zu sehen war. Hinzu kommt eine absolut verschlafen wirkende Synchronstimme von Jovovich, die den Eindruck eines auf Valiums gesetzten Faultiers erweckt. Inhaltlich ist bei dem Franchise ohnehin schon immer Hopfen und Malz verloren gewesen. Nach dem Ausflug in dunkle Gewölbe (Teil Eins), einer ganzen Stadt (Teil Zwei), sowie einer unfassbar anödenden Wüste (Teil 3), geht’s nun ab nach Los Angeles. Wieso, Weshalb, Warum? Selbst wer fragt, bleibt in diesem Fall dumm. Letztlich ist dies aber auch egal. Dass Anderson nichts mehr einfällt, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er sich reichlich hemmungslos aus dem Bauchladen des Actionfilms bedient. Von „Matrix“ bis „Blade II“ ist. Ähnlichkeiten sind keinesfalls zufällig, und stets gewollt. Insgesamt bleibt zu sagen, dass es sich bei „Resident Evil – Afterlife“ – 3D sei Dank – um einen über weite Strecken unterhaltsamen No-Brainer handelt, den man sich aber nur ansehen sollte, wenn man Gefallen an der optischen Spielerei der dritten Dimension findet. Der Rest ist nämlich gewöhnliche Kost von der Stange, der niemandem hinter dem Offen hervorlocken dürfte. – Fazit: 6 von 10 Punkten.


Happy Birthday

Fotos: Dolorix

Nun wäre es fast an mir vorbei gegangen, aber es ist wie es ist und man kann es nicht ändern. „Kino, TV & Co“ wird heute schon ganze drei Jahre alt. Wer hätte das vor drei Jahren gedacht? Ich sicherlich nicht. Da trifft es sich doch gut, dass es hier in den letzten Wochen sogar wieder ein wenig was zu lesen gab. Es geht also weiter, keine Sorge, auch wenn im Moment einfach andere Dinge im Vordergrund stehen. In diesem Sinne bedanke ich mich wie immer bei all meinen stillen, aktiven oder sonstigen Lesern. Schaut auch in Zukunft regelmäßig rein und diskutiert fleißig mit. Bis dahin: Einen schönen Sonntag.


Rezension: "Smokin' Aces"












Das Kino eines Quentin Tarantino oder eines Guy Ritchie erfreut sich seit Jahren anhaltender Beliebtheit. Da vermag es natürlich nicht zu verwundern, dass deren stilistischen Eigenarten und deren Ideen ganz gerne mal von Anderen kopiert werden. Dies liegt in der Natur der Sache und ist prinzipiell gar nicht weiter schlimm. Zwischen Kopieren und Verstehen besteht jedoch bisweilen ein gewaltiger Unterschied. Nichts ist peinlicher, als wenn auf Zwang ein Stil kopiert werden soll, den man abseits der glänzenden Oberfläche nicht verstanden hat. Noch peinlicher – obschon das schwerlich möglich ist - ist es allerdings, wenn man es noch nicht auf einmal auf die Reihe bekommt, das glänzende Etwas, das sogar der sprichwörtliche Blinde mit dem Krückstock erkennen würde, einzufangen und für die eigenen Zwecke zu nutzen. Joe Carnahans missratender Bastard von einem Film „Smokin' Aces“, der so gerne wie Tarantino oder Ritchie wäre, ist einer dieser Fälle. Das ist umso überraschender, als Carnahan mit „Narc“ einst einen grundsoliden Copthriller inszeniert hat, der sich durchaus sehen lassen kann. „Smokin' Aces“ gleicht jedoch dem sprichwörtlichen Griff in die Keramik, misslingt dem Film doch so ziemlich alles, was misslingen kann.


Primo Sparazza (Joseph Ruskin), einer der letzten Clan-Chefs der Cosa Nostra liegt im Sterben. Vor seinem Dahinscheiden gibt der Alte noch den Befehl aus, den bei der Mafia in Ungnade gefallenen Buddy „Aces“ Israel (Jeremy Piven) ins Jenseits zu befördern. Um sicher zu gehen, dass Israel auch tatsächlich das Ticket in die ewigen Jagdgründe löst, lässt Sparazza eine Prämie von Einer Million Dollar für Israels Herz ausloben. Diese absurd hohe Summe bestärkt die ermittelnde Polizei darin, Buddy Israel zum Kronzeugen der laufenden Ermittlungen gegen Sparazza zu machen. Das Problem dabei: Israel befindet sich nicht in der Gewalt der Polizei, sondern für Jeden gut zugänglich in einer Hotelsuite in Nevada zwischen Koks, Blackjack und Nutten. Deswegen werden die FBI-Agenten Richard Messner (Ryan Reynolds) und Donald Carruthers (Ray Liotta) von ihrem Vorgesetzten Stanley Locke (Andy Garcia) damit beauftragt, Israel in Schutzhaft zu nehmen, bevor der künftige Kronzeuge – und damit die Ermittlungen – ernsthaften Schaden nehmen. Selbstredend machen sich aber nicht nur Messner und Carruthers auf den Weg nach Nevada, sondern eben auch das schlimmste Geschmeiß, was das kriminelle Milieu zu bieten hat.


Nachdem Carnahan die reichlich ungelenke Exposition der ganzen Chose erst einmal hinter sich gebracht hat, kennt „Smokin' Aces“ nur noch eine Richtung. Mit Vollgas voraus in den Untergang. Was sich als Handlung tarnt, und sich tatsächlich erdreistet gegen Ende auf einmal einen auf Moral und Ernst machen zu wollen – der Gipfel der Lächerlichkeit – ist reine Staffage, um die auf cool getrimmten, dabei aber keinesfalls coole Baller-Äääktschnn in nicht nur blutiger, sondern auch absolut dämlicher Art und Weise zu inszenieren. Wo Gewalt bei Quentin Tarantino niemals reiner Selbstzweck ist und Guy Ritchie, vor allem in seinen früheren Filmen, ein wunderbares Gespür für echte Typen besitzt, beweist Carnahan, dass er mit „Smokin' Aces“ absolut, aber auch absolut gar nichts verstanden hat. Da rennen wild gewordene und saublöde Nazi-Klischees sabbernd und grunzend durch die Gegend, während wilde Killerlesben zum großangelegten Showdown rüsten. Das ist weder cool, noch unterhaltsam, sondern geistiger Dünnpfiff aller ersten Güte.


Das schlimme dabei: Hat Carnahan inhaltlich schon nichts zu bieten, vermasselt er den Film so also auch noch inszenatorisch. Was für gewöhnlich als launiges Style over Substance durchgewunken werden könnte, erweist sich im Fall von „Smokin' Aces“ als no Substance, no Style. Ganz starke Leistung. Da passt es absolut ins Bild, das auch die Darsteller verbraten werden, als ob man diese im 99-Cent-Laden um die Ecke vom Grabbeltisch erstanden hätte. Ray Liotta und Andy Garcia glänzen durch darstellerische Abstinenz, Ryan Reynolds mit abwesendem Charisma. Jeremy Piven, Ben Affleck, Chris Pine. Alle – mitgehangen, mitgefangen – fest verwoben im ganzen Elend dieses traurigen Desasters. Die größte Lachnummer ist allerdings das Schauspieldebüt von Alicia Keys, für gewöhnlich wunderbare Sängerin, hier jedoch dermaßen auf Krampf gegen ihr Image gebürstet, dass es nur noch lächerlich ist. Während sich Keys also mit diversen fucks durch die Handlung bitched (huch, wie verrucht), sehnt man sich nur noch der erlösenden Gnade des Endes entgegen. Das wartet dann mit einem vermeintlich grandiosen Twist auf, zeugt jedoch vielmehr davon, wie wenig „Smokin' Aces“ die Vorbilder, die der der Film vergeblich zu zitieren sucht, verinnerlicht hat. Was für ein Dreck. – Fazit: 2 von 10 Punkten.


Rezension: "Friendship"












Die DDR lebt. Zumindest auf der Leinwand. Und damit steht sie nicht allein. Auch das zweite große Kapitel deutscher Zeitgeschichte, das Dritte Reich, erfreut sich seit Jahren einer stabil bleibenden Hochkonjunktur. Das Interesse der Fernseh- und Kinozuschauer an der fiktiven Aufbereitung historischer Stoffe gehört somit nicht nur zu den unumstößlichen Konstanten im Filmkalender, sondern verlagert den Prozess der doppelten Vergangenheitsbewältigung, den sich die deutsche Gesellschaft seit der Wiedervereinigung zu stellen hat, auch und vor allem in die Populärkultur. Im Fall der fiktiven Aufarbeitung und Thematisierung der DDR-Geschichte, sicherlich auch wegen des geringen Zeitabstands seit dem Mauerfall, ein schwieriges Thema, gelingt dies – naturgemäß – mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Schwappte noch vor einigen Jahren die so genannte Ostalgie-Welle durch das Land, wurde diese in den letzten Jahren von ernsteren Stoffen abgelöst. Zu nennen ist hier sicherlich zuvorderst „Das Leben der Anderen“, der insbesondere mit dem Gewinn des Oscars für den besten fremdsprachigen Film große Aufmerksamkeit erregte. Im Fall von „Friendship“ fällt es jedoch schwer, den Film in die eine oder die andere Kategorie einzuordnen. So präsentiert sich der Film als wilder Road Trip durch die Genres, was „Friendship“ einerseits äußerst interessant macht, andererseits jedoch auch immer wieder mal ein Bein stellt.


Ostberlin kurz nach dem Fall der Mauer. Die beiden besten Kumpels Veit (Friedrich Mücke) und Tom (Matthias Schweighöfer) überlegen, was sie mit ihrer neugewonnenen Freiheit anstellen wollen. Insbesondere Tom, der sich nie so recht in die Ordnung des ostdeutschen Staates einpassen konnte, träumt von den Versprechungen des Westens. So kommt ihm der Plan von Veit nach San Francisco zu fliegen und dort nicht nur die Golden Gate Bridge zu besuchen, sondern auch seinen Vater, der schon vor Jahren aus der DDR geflohen ist, zu überraschen. Unglücklicherweise reicht das Geld der beiden Freunde nur für einen Flug bis nach New York. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und so stehen Tom und Veit einen Tag später inmitten des Big Apples. Ausgestattet mit ihren noch zu DDR-Zeiten gedrehten Amateurfilmen, zweifelhaften Englischkenntnissen, sowie der sagenhaften Summe von 55 Dollar, beginnt ein wüster Road Trip quer durch die amerikanische Weite, der sie ihrem großem Ziel langsam aber sich näher bringt.


Friendship“ ist keineswegs reine Fiktion, sondern beruht auf den Erlebnissen des Filmproduzenten Tom Zickler, der nach dem Fall der Berliner Mauer zusammen mit seinem Freund eine Reise durch die Vereinigten Staaten unternahm. Einiges von dem, was Tom und Veit auf ihrer Reise durchleben, ist also mit Sicherheit von den Erlebnissen Zicklers inspiriert. Wie bereits angedeutet, gelingt Regisseur Markus Goller mit seinem Film eine ganze Menge, jedoch leider nicht Alles. Zwar fängt Goller, wohl auch auf Grund der Tatsache, dass er selbst in den USA lebt, die amerikanische Weite wunderbar ein, inhaltlich kann „Friendship“ jedoch nicht vollständig überzeugen. Gerade der dramaturgische Kniff gegen Ende, der den Film überdeutlich von dem Ostalgiestempel befeien soll, wirkt – so löblich das Ansinnen durchaus ist – ein wenig zu aufgesetzt, zumal in „Friendship“ bis dahin wenig bis gar nicht hinterfragt wird. Dass es sich bei der Verquickung von Komödie und Drama um eine anspruchvolle und äußerst schwierig umzusetzende Filmform handelt, wird im Fall von „Friendship“ überdeutlich. Dass der Film nichts desto trotz funktioniert, hat er dann vor allem den beteiligten Schauspielern zu verdanken.


Während Matthias Schweighöfer äußerst solide agiert, ist es Friedrich Mücke, der vor allen Anderen zu überraschen weiß. Mücke spielt überaus nuanciert und zurückhaltend, dabei stets auf den Punkt gebracht. Ihm gelingt so der schwierige Spagat zwischen vordergründiger Pointe und emotionaler Tiefe. Wäre das Drehbuch so vielschichtig angelegt gewesen, wie Mücke spielt, hätte „Friendship“ sicherlich in andere Sphären vordringen können. So aber verlässt sich der Film auf seine mal mehr und mal weniger gelungen umgesetzten skurrilen Abenteuer, die die beiden Freunde auf ihrer Reise überstehen müssen. Das Spiel mit den Klischees, hüben wie drüben, gehört dabei zu den narrativen Eckpfeilern des Films, ebenso wie die leider viel zu stereotype Dreiecksgeschichte um eine Frau (gleichwohl von Alicja Bachleda-Curuś formidabel verkörpert), die alsbald zwischen den beiden Freunden steht. Gleichwohl handelt es sich bei „Friendship“ in der Summe über eine durchaus gelungene deutsche Komödie. Dies ist bei all den unlustigen deutschen Filmen, die mit schöner Regelmäßigkeit auf die Kinobesucher losgelassen werden, schon einmal eine ganze Menge wert. – Fazit: 7 von 10 Punkten.


Kurz und Knackig Vol. 8


Battle Royale“ (2000)

Meine Ausflüge in die asiatische, respektive japanische Filmwelt sind äußerst rar gesät. Auch die Sichtung von „Battle Royale“ wird an dieser Tatsache nicht sonderlich viel ändern, auch wenn das Gezeigte durchaus als unterhaltsam bezeichnet werden darf. Wie zu lesen ist, löste „Battle Royale“ selbst in Japan eine Diskussion über Gewaltdarstellung in den Kinos aus, was wohl zur Folge hatte, dass der Film für Jugendliche unter 16 Jahren nicht freigegeben wurde. Was daran jetzt so bemerkenswert sein soll, erschließt sich allerdings nicht wirklich, muss doch nach Sichtung des Films konstatiert werden, dass der Film – so wie in Deutschland geschehen – eher ab 18 und nicht ab 16 Jahren freigegeben werden sollte. Der Film, der von einem dystopischen Japan erzählt, in dem einmal im Jahr eine durch den Zufall bestimmte Klasse von Neuntklässlern auf eine verlassene Insel verfrachtet wird, wo sich die Gören dann bis zum Tod bekämpfen sollen – nur der letzte Überlebende erhält die Möglichkeit in die Zivilisation zurückzukehren – ist nämlich durchaus starker Tobak. Erstaunlicherweise ist jedoch festzustellen, dass in dem Kinder-Schlachtfest, um es mal plastisch auszudrücken, zu wenig gemetzelt und zu viel debattiert wird. Da nämlich auch im Fall von „Battle Royale“ gilt, dass einem die Figuren ebenso egal sind, wie das ganze Gesülze drum herum, erweist sich der Film abseits seiner dann doch durchaus blutigen Actionsequenzen als ziemlich zäh und bemüht. Insgesamt also ein durchaus unterhaltsamer, letztlich aber nicht weiter bemerkenswerter Abstecher in die halbseidene Welt des japanischen Genrekinos – Fazit: 6 von 10 Punkten.


Ein (un)möglicher Härtefall“ (2003)

Eine romantisch angehauchte Komödie von den beiden Coen-Brüdern? Die Frage, ob dies gut gehen kann, ist angesichts des Oeuvres der beiden Regisseure mit der Vorliebe für schräge Filme durchaus berechtigt, letztlich allerdings nicht ganz eindeutig zu beantworten. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass ein Coen ein Coen ist. Auch im Fall dieses, geht man nach der Inhaltsangabe , so eindeutigen Chick flicks ist von der ersten Minute an offensichtlich, dass man es hier mit einem Coen-Film zu tun hat. Schräge und narzisstische Charaktere, sowie immer mal wieder überzeugende Situationskomik führen dazu, dass sich der geneigte Coen-Jünger auch in diesem Film heimisch fühlen darf. Leider vermag „Ein (un)möglicher Härtefall“ jedoch nicht vollständig zu überzeugen. Die Geschichte um den von Clooney gespielten Scheidungsanwalt Miles Massey, der sich mehr Gedanken über das Bleichen seiner Zähne, als um seine Mitmenschen macht, sowie der Heiratsschwindlern Marilyn Rexroth, von Catherine Zeta-Jones verkörpert, hat sicherlich Potential, wird aber zu selten ausgeschöpft. Selbstverliebter Karrierist verknallt sich in eiskalte Herzensbrecherin. End of the Story. Was die Chance eröffnen würde, ein urkomisches Intrigenspiel aufzuziehen, kommt leider viel zu kurz. Stattdessen verplempern die Coens viel zu viel Zeit, um Figuren und Setting einzuführen, und dann – wenn alles angerichtet ist – ist plötzlich Schluss. Damit krankt der Film an dem gleichen Übel, das wenige Jahre später auch „Burn after Reading“ fast das Genick brechen wird. – Fazit: 6,5 von 10 Punkten.


Get Smart“ (2008)

Dass „The Office“-Star Steve Carrel ausgeprägtes komödiantisches Talent besitzt, stellt der Amerikaner nicht nur im Fernsehen, sondern auch immer mal wieder im Kino unter Beweis. „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ sowie „Little Miss Sunshine“ seien an dieser Stelle exemplarisch genannt. „Get Smart“ darf nun dieser Liste ohne große Bedenken hinzugefügt werden. Die äußerst vergnügliche Agentenkomödie punktet dabei nicht nur mit gekonnter Situationskomik, sondern profitiert vor allem auch vom Zusammenspiel seiner beiden Hauptdarsteller. So steht Carrel die wieder einmal bezaubernde Anna Hathaway zur Seite und in Sachen Humor in nichts nach. Basierend auf der gleichnamigen Serie von Mel Brooks aus den Sechziger Jahren, entspinnt sich ein mit zunehmender Spielzeit immer flotterer Spaß, der mit spielender Leichtigkeit die Laune zu verbessern mag. Ein echtes Feel Good Movie wie man es sich häufiger wünschen würde. Nicht zu ernst, aber auch nicht zu albern. Ohne großen Anspruch, aber auch nicht zu dämlich. Woran sich unzählige Filme die Zähne ausgebissen haben, scheint hier praktisch im vorbeigehen zu funktionieren. Es kommt nicht häufig vor, dass ich mir eine Fortsetzung wünsche, in diesem Fall hätte ich allerdings keinerlei Einwände. Einstweilen muss ich mich jedoch dringend Carells neuem Film „Date Night“ zuwenden, auch wenn die Kritiken trotz des Mitwirkens von Tina Fey eher gemischt ausfielen. – Fazit: 8 von 10 Punkten.


Der letzte König von Schottland“ (2006)

Anfang der Siebziger Jahre kam in Uganda Idi Amin an die Macht. Dessen Diktatur sollte in den knapp zehn Jahren seiner Herrschaft zwischen 300000 und 400000 Menschen das Leben kosten. „Der letzte König von Schottland“ verhandelt Amins Tyrannei einerseits auf der Basis tatsächlicher Ereignisse, sowie andererseits anhand der gleichnamigen Romanvorlage von Giles Foden. Dies ist schon allein deshalb reizvoll, weil hier von vornherein versucht wird, ein dunkles Kapitel der Historie fiktiv zu erzählen, und so darauf verzichtet wird, einem Spielfilm einen quasidokumentarischen Charakter zu verleihen. Bernd Eichinger sollte sich daran mal ein Beispiel nehmen, wenn er sich das nächste Mal an einer historischen Verfilmung versucht. Leider macht aber auch „Der letzte König von Schottland“ bei Weitem nicht alles richtig. Zwar gibt es an der völlig zu Recht oscarprämierten Performance von Forest Whitaker nichts auszusetzen, für seinen Nebenpart James McAvoy kann dies allerdings nur eingeschränkt behauptet werden. Mag es McAvoy zunächst noch gelingen den jovialen und etwas naiven Charakter des frischgebackenen Arztes, der sich von dem Charme des Diktators um den Finger wickeln lässt, annehmbar zu verkörpern, gilt dies für die Darstellung der Läuterung seiner Figur eben nicht mehr. Dies allerdings ist für den Film ein echtes Problem, wie überhaupt konstatiert werden muss, dass der von Kevin Macdonald inszenierte Film mit zunehmender Spielzeit sukzessive schwächer wird. So ist der offensichtlich empfundene Zwang am Ende noch auf drastische Bilder der Gewalt zurückgreifen zu müssen, auch der Tatsache geschuldet, dass man vorher nicht genug Wert auf die Ausdifferenzierung der verschiedenen Facetten des Diktators gelegt hat. Was bleibt ist ein überragender Whitaker, der die teils eminenten Schwächen des Films jedoch nicht vollständig zu überdecken vermag. – Fazit: 7 von 10 Punkten.


Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (2008)

Es ist wirklich zum Schmunzeln, wenn man liest, dass Keanu Reeves für Regisseur Scott Derrickson die einzige Wahl für die Besetzung des außerirdischen Botschafters in „Der Tag, an dem die Erste still stand“ gewesen ist. Warum das so ist, erschließt sich, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass One Face Reeves immer dann gut ist, wenn er mit seinem einzigen stoischen Gesichtsausdruck durch den Film stiefeln darf. Leichtes Spiel für Reeves also. Aber auch ansonsten erweist sich das Remake des gleichnamigen Vorgängers aus den Fünfziger Jahren, hier nun natürlich von der Metaphorik des Kalten Krieges befreit, als solide Science-Fiction Unterhaltung. Insbesondere der flotte Beginn, der die Erdenbürger mit einem urplötzlichen, alles zerstörenden Einschlag eines unbekannten Objekts konfrontiert, erweist sich als überaus gelungen. Der weitere Verlauf kann allerdings nicht halten, was der erfrischende Auftakt verspricht. Die dem Film zu Grunde liegende Botschaft des Films – Trottel Mensch zerstört die Erde – wird dem Publikum in der Folge mit dem Holzhammer eingetrichtert. Übertroffen wird dies nur noch von der stereotypen Darstellung der amerikanischen Regierung, die in ihrem militärischen Aktionismus natürlich alles falsch macht, was es falsch zu machen gibt. Zu Gefallen wissen in diesem Film hingegen die Darsteller. Jaden Smith, einer der Sprösslinge von Will Smith, präsentiert sich auch ohne seinen Vater als überzeugender Jungdarsteller, während der kleine Auftritt von John Cleese sicherlich zu den gelungensten Momenten des Films gehört. Jennifer Connelly schließlich müht sich redlich ihrer recht eindimensionalen Rolle ein wenig Profil zu verleihen, was ihr glücklicherweise auch gelingt. – Fazit: 5,5 von 10 Punkten.


Street Kings“ (2008)

Kennst du Einen, kennst du Alle. „Street Kings“ erweist sich als erneuter Versuch Korruption und Verbrechen innerhalb der Polizei zu thematisieren. Und um es von Beginn an zu sagen: Diesen Film hätte es wahrlich nicht gebraucht. Ein vom Dienst gezeichneter Cop (Keanu Reeves), mit – natürlich – tragischer Lebensgeschichte ballert sich durch den Sumpf der amerikanischen Gesellschaft, während in seiner eigenen Behörde Zustände wie in Sodom und Gomorrah herrschen. Reeves, der in „Street Kings“ wenig überzeugend agiert – braucht es doch mehr als einen Gesichtsausdruck - ist in diesem Fall allerdings nur das Geringste von zahlreichen Übeln. Über die Tatsache, dass James Ellroy bei dem Drehbuch mitgeschrieben hat, denkt man am Besten gar nicht erst großartig nach, oder aber man versucht sich einzureden, dass er sicherlich und hoffentlich kaum etwas dazu beigetragen hat. In all den bemühten Stereotypen und Klischees des Genres, versucht sich „Street Kings“ als vermeintlich intelligent konstruierter Thriller zu verkaufen, was kolossal fehlschlägt. Der Plot des Films ist nämlich in etwa so überraschend wie Sonne im Sommer. Forest Whitaker verkommt in „Street Kings“ zu allem Überfluss zu einer eindimensionalen Karikatur. Einzig der aus „House“ bekannte Hugh Laurie vermag in dem Film wirklich zu überzeugen. – Fazit: 5 von 10 Punkten.


Rezension: "Inception"












Christopher Nolan gilt bei nicht Wenigen mittlerweile als neuer Stern am Blockbusterhimmel, weil er der seichten, dabei gleichzeitig so beliebten Massenware, so der Konsens neuen Glanz verliehen hat. Das Publikum darf ausnahmsweise wieder mitdenken, muss sich Gedanken machen über eine Geschichte, die verschachtelt, engmaschig verwoben und somit nicht leicht zu knacken ist. Endlich mal wieder ein Film, über den es hinterher zu reden lohnt. Nun ist das alles mit Sicherheit nicht ganz falsch. Nolan ist tatsächlich ein sehr guter Film gelungen, der eine ansprechende Story mit tollen Bildern und Effekten garniert hat. Nichts desto trotz erscheint es mir nicht angebracht, dass die Rezeption des Films vor allem diesen Aspekt preist, um „Inception“ in den Rang eines Meisterwerks zu erheben. Denn sind wir doch einmal ehrlich: Ist es nicht traurig genug, dass das, was eine Selbstverständlichkeit sein sollte, nämlich eine halbwegs intelligente Geschichte zu erzählen, im Blockbusterkino zu solch einem Alleinstellungsmerkmal verkommen ist, dass dessen Erschaffer nun mit einem Heiligenschein beweihräuchert zum Erlöser des Sommerkinos stilisiert wird? Nun ist das alles nicht das Problem von Christopher Nolan, sondern Sache der Rezeption. Und folglich darf der Mann, der mit „Batman Begins“ und insbesondere „The Dark Knight“ bewiesen hat, dass er massentaugliche Stoffe mit Ecken und Kanten versehen kann, für sich in Anspruch nehmen, einen ziemlich gelungenen Film abgeliefert zu haben.


Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein Dieb und Spion der besonderen Art. Er dringt im Auftrag seiner Klienten in die Träume anderer Menschen ein, um deren geheimste Gedanken zu stehlen. Dass dieses Unterfangen nicht ohne Risiken verbunden ist, erfahren Cobb und sein Team am eigenen Leib, als der Auftrag, dem Industriellen Saito (Ken Watanabe) dessen Geschäftsgeheimnisse abzuluchsen, kolossal fehlschlägt. Von nun an ist Cobb in Saitos Hand, und soll bei dessen Geschäfstkonkurrenten Fisher (Cillian Murphy) eine Inception, das Meisterstück eines jeden Traumdiebs, durchführen. Unter einer Inception wird das Einpflanzen eines fremden Gedankens in das Hirn des Delinquenten verstanden. Im Fall Fisher soll dieser dazu gebracht werden, den Konzern seines Vaters nach dessen Tod zu Saitos Vorteil zu zerschlagen. Cobb willigt schließlich in die riskante Operation ein. Nicht zu letzt deshalb, weil ihm Saito im Erfolgsfall die Möglichkeit zur Rückkehr nach Amerika und damit zu seinen Kindern in Aussicht stellt. In den USA wird Cobb wegen dem vermeintlichen Mord an seiner Frau Mal (Marion Cotillard) gesucht. Um die Inception durchführen zu können, versammelt Cobb in der Folge ein Team um sich, dass aus Arthur (Joseph Gordon-Levitt), dem Organisator, Ariadne (Ellen Page) der Architektin der zu erschaffenden Traumwelten, sowie aus dem Täuscher Eames (Tom Hardy) und dem Chemiker Yusuf (Dileep Rao) besteht. Als die Vorbereitungen abgeschlossen sind und sich Fisher in der Gewalt von Cobb und seinem Team befindet, beginnt eine gefährliche Reise tief hinab in die Welt der Träume, die dadurch erschwert wird, dass Cobb in seinem Unterbewusstsein von einer Projektion seiner verstorbenen Frau verfolgt wird.


Nun ließe sich über die Interpretation von „Inception“ mit Sicherheit vortrefflich streiten. Nichts ist so wie es scheint, das gilt auch in diesem Film und Nolans letzter Kamerashot auf das Totem von Cobb, den drehenden Kreisel, ist nur der für den Zuschauer offensichtlichste Clou, um beim Kinopublikum das große Aha-Erlebnis zu evozieren. Abseits dessen hat der Film bereits eine ganze Reihe weiterer Interpretationen hervor gebracht. „Inception“, verstanden als ein großer Traum Cobbs und gleichzeitige Analogie auf das Filmemachen an sich – eine Interpretation die ich zum Beispiel besonders reizvoll finde. Wie man Nolans neusten Film verstehen möchte, liegt in der Tat an einem selbst. Wesentlicher für die Bewertung sind neben der bewusst offen gestalteten Deutungspotentiale freilich ganz andere Dinge. Nolans Reflexion über die Macht der Träume, die Geschichte an sich, ist nicht ohne Reiz. Allerdings – und das ist ebenso unumstößlich – betritt Nolan bei diesem Thema weder Neuland, noch setzt er hier Maßstäbe. So beeindruckend seine Traumwelten gerade zu Beginn von „Inception“ durchaus sein mögen (so sind die sich verschiebenden und sich spiegelnden Häuserschluchten von Paris, die dem Willen der Architektin Ariadne folgen, sicherlich echtes Eye Candy), bleibt festzuhalten, dass Nolan sehr bedacht darauf ist, seinem Publikum nicht zuviel zuzumuten. Nolans Traumwelt ist, so verschachtelt sie auf den ersten Blick auch sein mag, recht linear. Dies schlägt sich auch in der visuellen Inszenierung seiner Traumwelten wieder. Das affektive, surreale und damit emotionale Traumgerüst eines David Lynch wird man in „Inception“ nicht finden.


Weil sich die Komplexität des Films nicht auf der visuellen Ebene abspielt, verankert Nolan die avisierte Vielschichtigkeit seines Filmes auf der erzählerischen Ebene. Der Clou, dass sich die Protagonisten irgendwann nicht mehr nur in einem Traum, sondern in einem Traum im Traum, gar in einem Traum im Traum im Traum befinden, ist ein zwar wirkungsvoller aber natürlich wiederum auch beliebiger Taschenspielertrick, den Nolan aus dem Hut zieht. Das tut dem Vergnügen zwar keinen Abbruch, wirft allerdings die berechtigte Frage auf, ob die von Nolan im Film aufgestellten Regeln einer kritischen Überprüfung standhalten würden. Je tiefer Cobb in die diversen Traumschichten vorstößt, desto unübersichtlicher wird die gesamte Angelegenheit, was von Nolan mit Sicherheit auch genauso intendiert worden ist. Doch ist es ohnehin nicht primär die Story an sich, sondern – wie bereits erwähnt – das Gesamtpaket, das „Inception“ zu einem rundum gelungenen Film werden lässt. Oszilliert die Optik in „Inception“ zwischen echtem Hingucker (Paris, Cobbs & Mals Stadt) und Langeweile (Ödnis im Schnee), ist es vor allem der zwar recht abwechslungsarme dafür aber absolut atmosphärische Score von Hans Zimmer, der zu Gefallen weiß.


Auch darstellerisch gibt es mit Sicherheit kaum etwas zu bemängeln. Leonardo DiCaprio erweist sich in „Inception“ ein weiteres Mal als souverän agierender Darsteller, dessen Rolle hier allerdings ein wenig zu sehr an seine Interpretation des Edward „Teddy“ Daniels aus Scorseses „Shutter Island“ erinnert. Gleichwohl ist zu konstatieren, dass sich DiCaprio in den letzten Jahren zu dem nachgefragtesten Schauspieler seiner Generation entwickelt hat, der in kürzester Zeit mit Größen wie Scorsese, Mendes oder nun eben Nolan zusammenarbeiten durfte. Ansonsten ist es eine große Freude Ken Watanabe wieder auf der Leinwand erleben zu dürfen, der – abgesehen von seinem wenig überzeugenden Gastspiel in „Mitternachtszirkus“, zu den wahren Könnern seines Fachs („Letters from Iwo Jima“) gezählt werden darf. Marion Cottilard, längst kein Geheimtipp mehr, darf in „Inception“ sicherlich den interessantesten Part verkörpern. Es ist ihre Darstellung der düsteren Femme Fatale, die am längsten im Gedächtnis bleiben dürfte. Für Ellen Page gilt dies allerdings nicht, die – wie auch die anderen drei Protagonisten aus Cobbs Team – recht austauschbar erscheint. Michael Caine schließlich gefällt mit einem kleinen Gastaufritt vor allem auch deshalb, weil Caine prinzipiell gefällt – egal was er gerade zu spielen hat.


Insgesamt ist Christopher Nolan der bislang beste Film des Jahres gelungen, was allerdings – ohne „Inception“ abqualifizieren zu wollen – weniger dem Film an sich, sondern dem in der Summe doch bislang recht schwachen Kinojahr zu verdanken ist. Nimmt sich Nolan zu Beginn angenehm viel Zeit um Welt und Figuren zu erklären, entspinnt sich in der Folge ein über weite Strecken packender Film, der in einzelnen Momenten eine geradezu atemberaubende Dynamik entfaltet, die Nolan allerdings nicht über die gesamte Spielzeit aufrechtzuerhalten vermag. Gerade in dem „Schnee-Level“ macht sich die weitestgehend kreativarme Umsetzung der jeweiligen Traumwelt negativ bemerkbar, ohne freilich zu einem Totalausfall zu werden Letztlich ist dies jedoch eine durchaus passende Analogie auf den gesamten Film an sich. Es ist bei Weitem nicht alles Gold was glänzt, doch wann immer es sich bei „Inception“ nicht um Gold handelt, ist es zumindest Silber. Dass dies weitaus mehr ist, als das mittlerweile fast nur noch Blech und Schrott produzierende Blockbusterkino Hollywoods für gewöhnlich hinbekommt, steht außer Frage. Gleichwohl täte man gut daran, sich in Erinnerung zu rufen, dass Nolans Streben nach intelligenter Unterhaltung sicherlich kein Grund für einen solch explodierenden Sturm der Euphorie ist, wie ihn der Feuilleton zum Kinostart dieses auch so ausgezeichneten Films entfesselt hat. – Fazit: 9 von 10 Punkten.


FFF: "Four Lions"



Sich über verblendete Fundamentalisten und schwachsinnige Ideologien hemmungslos lustig zu machen, ist eine der schönsten Traditionen des Kinos. Schon Charlie Chaplin hat dies gewusst, und den großen Diktator als kleines Würstchen entlarvt. „Four Lions“, der auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest hoffentlich den „Fresh Blood“-Award gewinnen wird, führt nun dem internationalen Terrorismus seine eigene Schwachsinnigkeit vor Augen. Der Tatsache, dass sich überall auf der Welt Verblendete im Namen irgendeines Gottes in die Luft sprengen, um möglichst viele Unschuldige aus dem Leben zu reißen, kann und sollte man manchmal mit blankem Hohn begegnen. Genau dies ist dem Briten Chris Morris mit seinem Spielfilmdebüt, das bereits auf dem Sundance Festival hoch gelobt wurde, gelungen. Morris präsentiert in „Four Lions“ vier angehende Suicide Bombers aus der britischen Mittelschicht, die sich bei ihrem ach so frommen Ansinnen ungeschickter als der sprichwörtliche Elefant im Buckingham Palace anstellen. Zwei von Ihnen fliegen hochkant aus einem pakistanischen Ausbildungslager für Terroristen, der dritte im Bunde stattet Krähen mit mobilen Sprengsätzen aus. Last but not least ist da auch noch der Konvertit, der Schlimmste von Allen. Sein Plan: im Namen Allahs eine Moschee in die Luft sprengen. Dies würde, so sein Plan, die moderaten Moslems gegen die westliche Gesellschaft aufwiegeln, und den Dschihad endgültig entfesseln.


Four Lions“ erweist sich als ultimatives Gagfeuerwerk, das sich vierer dermaßen bescheuerter Protagonisten bedient, dass es eigentlich schon gar nicht mehr feierlich ist. Chris Morris gelingt in diesem Film eigentlich fast alles, so gut wie nichts schlägt fehl. Politisch unkorrekt, in bester Tradition des berühmten britischen Humors, wird kein Blatt vor dem Mund genommen. Doch nicht nur die angehenden Terroristen, sondern auch der staatliche Sicherheitsapperat bekommt sein Fett weg. Nun ist „Four Lions“ mit Sicherheit keine tiefschürfende Reflexion über den Ursprung des internationalen Terrorismus, dies muss der Film auch gar nicht sein. Satire und Humor reichen völlig aus, um den großen Humbug des Tods im Namen Gottes zu entlarven. Man soll und man darf an diesem Film Spaß haben, befreit auflachen, wenn Köpfe wie wild und her geschüttelt werden, um die Fotos der Überwachungskameras unscharf werden zu lassen. Oder wenn SIM-Karten verspeist werden, um der Ortung durch die Behörden zu umgehen. Mit Arsher Ali, Riz Ahmed, Kayvan Novak und Nigel Lindsay haben sich in „Four Lions“ vier international unverbrauchte Gesichter versammelt, die großes komödiantisches Talent beweisen, und von denen man in Zukunft hoffentlich noch mehr sieht. Das wahre Meisterstück ist Chris Morris jedoch gegen Ende des Films gelungen. Ihm gelingt etwas ganz Besonderes, auf das ich hier nicht eingehen kann und will. Wer den Film gesehen hat, wird hoffentlich wissen, wovon ich spreche. „Four Lions“ ist, so viel sei gesagt, spätestens auf DVD eine Pflichtveranstaltung. “Fuck Mini Babybels!“ – Fazit: 9,5 von 10 Punkten


 
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